Internationalisierung
Leoni hadert mit der Ukraine

Wenn Unternehmen sparen wollen, setzen sie gerne an den Lohnkosten an. Die Folge: Standortverlagerung. Nun kann ein Arbeitgeber für Niedriglöhne keine Fachkräfte erwarten – oder? Autozulieferer Leoni hat das Abenteuer Ukraine gewagt und trotz Startschwierigkeiten nichts bereut.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die Anforderungen sind hoch, das Material ist widerspenstig. Kabelbäume sind das Nervensystem im Auto, sie steuern Klimaanlage, Motoreinspritzung und Airbags. Viele fleißige Hände basteln die Netze zusammen. Denn bislang gibt es keinen Roboter, der es schafft, die biegsamen Drahtkonstruktionen zusammenzustecken. Und dennoch ist maschinelle Qualität Pflicht. „Bei einer Million produzierter Teile kommen wir auf ein bis zwei Fehler“, sagt Uwe Lamann, Manager des Nürnberger Autozulieferers Leoni.

Handarbeit zu niedrigen Preisen: Leoni hat den Standort dafür in der Ukraine gefunden. Seit 2003 fertigen die Nürnberger in der Westukraine, das Werk in Stryi ist mittlerweile das Rückgrat der Bordnetzfertigung des Konzerns. Konkurrenzloses Lohnniveau und halbwegs stabile Rahmenbedingungen trieben die Deutschen ins 60 000-Einwohner-Städtchen, das selbst in der Ukraine Provinz ist.

Heute sind die Deutschen einer der größten Arbeitgeber in der Westukraine, 3 000 Menschen verdienen in Stryi ihr Geld mit der Fertigung von Bordnetzen. Ob der Airbag im Opel oder der Zigarettenanzünder im Porsche: Sie alle sind mit Kabelbäumen aus Stryi verdrahtet.

„In unserer Branche ist die Verlagerung einfacher Tätigkeiten ein absolutes Muss“, sagt Lamann. Die elektronischen Anwendungen im Auto nehmen zu, zugleich steigt der Preisdruck. Seit Jahren verlagert Leoni solche Arbeiten nach Tunesien, in die Slowakei oder nach Rumänien.

„Gerade Osteuropa bietet noch immer ein gutes Verhältnis von Arbeitskosten und Produktivität“, erläutert Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. Er rät aber, bei Produktionsverlagerungen inzwischen auch über die neuen EU-Mitgliedsländer hinaus zu denken.

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