Interview Ekkehard Schulz
Thyssen-Krupp erklärt die Krise für beendet

Noch vor einem Jahr schrieb Thyssen-Krupp rote Zahlen, nun hat der Konzern die Verlustzone hinter sich gelassen: Der scheidende Chef Ekkehard Schulz erklärt die Krise bei dem Stahlkocher im Handelsblatt-Interview für beendet – und empfiehlt sich selbst für einen Posten im Aufsichtsrat.
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TOKIO. Rechtzeitig vor seinem Abgang beim Stahlkocher Thyssen-Krupp schafft Vorstandschef Ekkehard Schulz in Essen eine eindrucksvolle Wende. Im Dax-Konzern, der noch bis vor zwölf Monaten rote Zahlen ablieferte, laufen die Hochöfen nach eigenen Angaben inzwischen unter Volllast. „Wir könnten sogar noch einige Tonnen mehr verkaufen, so groß ist die Nachfrage“, sagte Schulz dem Handelsblatt am Rande der Weltstahlkonferenz in Tokio.

Trotz Wiederbelebung der Wirtschaft ist dies in der Branche keine Selbstverständlichkeit. Teile der Stahlindustrie, darunter der Weltmarktführer Arcelor-Mittal, ringen immer noch mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise. Dem weitaus kleineren Wettbewerber aus Deutschland kommt dagegen zugute, dass er vorzugsweise auf Kunden aus der Fahrzeugindustrie setzt – einem Markt, der nach dem letzten Nachfrageeinbruch deutlich anzieht.

Schulz, der auf der Hauptversammlung Mitte Januar den Vorstandsvorsitz an Heinrich Hiesinger abgeben wird, hinterlässt seinem Nachfolger ein bestelltes Haus. Das belegen die Zahlen des soeben abgelaufenen Geschäftsjahres.

Wie Schulz dem Handelsblatt sagte, kehrt Thyssen-Krupp, 2008/09 noch mit einem Vorsteuerverlust (Ebt) von 2,4 Milliarden Euro tief im Minus, mit Macht in die Gewinnzone zurück. „Beim Vorsteuerertrag geht es Richtung einer Milliarde oder sogar ein Stück besser“, sagte Schulz. Der Essener Stahlkonzern kann damit seine selbst gesteckten Ziele erfüllen.

Die Ergebnissteigerung ist laut Schulz im Wesentlichen eine Folge von Einsparungen. Das Geschäft selbst kam dagegen nur langsam in Schwung. Nach 40,6 Mrd. Euro im Vorjahr setzte der Konzern in den vergangenen zwölf Monaten rund 42 Mrd. Euro um. „Vom Markt ist 2009/2010 nicht viel gekommen“, sagte der Konzernchef. „Das ändert sich erst in diesem Jahr.“

Gleichzeitig aber gelang es dem Unternehmen, die Verbindlichkeiten auf vier Mrd. Euro zu drücken. „Das ist besser als die zu Jahresbeginn erwarteten fünf Mrd. Euro“, sagte Schulz.

Zum traditionellen Treffen der Stahlmanager in Tokio, das für Schulz das letzte sein wird, hatte der scheidende Thyssen-Chef seinen Nachfolger Hiesinger bereits im Schlepptau. Der Ex-Siemens-Manager startete vergangenen Freitag seinen ersten Arbeitstag in Essen.

In einer dreieinhalbmonatigen Übergangszeit soll er nun mit den neuen Aufgaben vertraut gemacht werden, um einen reibungslosen Übergang der Amtsgeschäfte zu gewährleisten. „Da Hiesinger wie ich Ingenieur ist und Siemens wie Thyssen-Krupp ein Technologiekonzern, sollte es zwischen uns keine Schwierigkeiten geben“, erklärte Schulz.

Einen Strategieschwenk nach seinem Rückzug von der Konzernspitze erwartet der Noch-Amtsinhaber nicht. „Wir werden ein Technologiekonzern mit zwei starken Säulen bleiben.“ Wie in der Vergangenheit werde es aber sicherlich Veränderungen im Portfolio geben.

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  • na, wenn das ThyssenKrupp so sagt... Dann muss es ja stimmen.
    Dann geh ich gleich mal zu meiner bank und hol mir haufenweise neue Kredite für mein neues Haus, neues Auto und mein boot.
    Schliesslich sollten wir ja auch unsere binnenwirtschaft ankurbeln und ein bisschen mehr auf Pump leben. Angie & Co. geben uns dazu ein gutes Vorbild.
    Ach wie schön. Endlich Krise vorbei. Yippiejaeh. ich geh gleich mal ein bisschen shoppen.

    Wie blöd und naiv ist der Typ von TK eigentlich? Oder will der nur ein bisschen Propaganda für sich selbst machen...

  • @realitätsverlust
    Nöö, für mich schon jetzt der Artikel des Tages.
    Sehr gut dargestellt, differenzierte betrachtungsweise, Probleme angerissen.
    Man mache sich die Tradition deutscher Stahlkocher in Essen und Duisburg klar!
    Was Herr Schultz im Aufsichtsrat dringend annehmen sollte: Politiker verstehen weder die Zahlen aus Umsatz, Mehrkosten und Gewinn. Noch können sie sie ins Verhältnis zueinander setzen. Sozusagen die Umkehrung von Zahlen-Homöopathie zur Zahlen-Potentierung in der Politik.
    Aber die Kritik der Stahlkocher trifft zu:
    1. Volatile Erzpreise auf Quartalsbasis verursachen unkalkulierbare Preisspannen.
    2. Es muß zunehmend in Artikeln dieser Wahnsinn um CO2-Zertifikate öffentlich gemacht und grundsätzlich wegen Sinnlosigkeit eingestellt werden.
    Wenn Einsparungen dazu führten, daß unsere Stahlkocher selber ihren Stahl- zum Schiffsbau verwenden und selbigen preiswürdig nach China, indien und brasilien verschiffen könnten, sollte es uns alle in Deutschland freuen.

  • ich verstehe das alles nicht mehr!
    Überall auf der Welt sind industriestaaten bankrott oder überschuldet. Der Gold- und Silberpreis steigt von Woche zu Woche. Der Dollar verliert zusehens an Wert, der Euro wird bald nur noch Geschichte sein. Die Energie- und Verbraucherpreise steigen weiterhin an.
    Der Menschenhandel durch Leiharbeit boomt, D hat "offiziell" 1,6 billionen Euro Staatsschulden.
    Viele Mittelständler stehen vor der insolvenz oder wollen aufgeben und das Handelsblatt und andere Medien propagieren das Ende der Weltwirtschaftskrise und einen neue "goldene Zeiten".
    ich frage mich, wie kann das sein?
    Lebe ich in einer falschen Realität, spielt mir mein Gehirn einen Streich, als das ich die medial verkündeten "positiven Meldungen" in meiner Lebenswirklichkeit nicht erkennen kann?!

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