Interview mit Alstom-Chef Patrick Kron
„Ich vergleiche uns nicht mit Siemens“

Eigentlich könnte sich Alstom-Chef Patrick Kron im Glanz seiner Erfolge sonnen. Schließlich hat er den Hersteller von Kraftwerken und Schnellzügen innerhalb von fünf Jahren wieder zu einem schlagkräftigen, schnell wachsenden Konzern gemacht. Jetzt aber muss sich der 54-Jährige gegen Vorwürfe wehren, sein Konzern hätte – ähnlich wie Siemens – Aufträge in aller Welt durch Schmiergeldzahlungen hereingeholt.

Herr Kron, Sie haben Alstom wieder auf Erfolgskurs getrimmt. Ist der Konzern groß genug, um mit Siemens und GE zu konkurrieren?

Zweifellos sind wir kleiner als die. Aber unsere Märkte expandieren und wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir zweistellige Zuwachsraten liefern können. Unsere Strategie ist organisches Wachstum, gesteigert durch ergänzende Akquisitionen.

Wie zum Beispiel durch eine Übernahme des französischen Nukleartechnik-Konzerns Areva?

Areva ist eine andere Geschichte. Ich glaube, dass eine Kombination von Alstom und Areva vorteilhaft wäre. Es gibt aber noch keine Entscheidung. Der französische Staat als Hauptaktionär von Areva wägt derzeit seine Optionen ab.

Areva scheint ja nicht mit Ihnen zusammengehen zu wollen.

Arevas Position ist bekannt, unsere auch. Beide Unternehmen haben auch allein eine attraktive Strategie. Ich glaube aber, dass eine kombinierte Gruppe weit ehrgeizigere Ziele verfolgen könnte.

Rechnen Sie mit einer Entscheidung im laufenden Jahr?

Ich werde nicht spekulieren, weder über die Entscheidung selbst noch darüber, wann sie fallen wird.

Ist es ein Hindernis für die Fusion, dass Siemens an der Sparte Areva NP beteiligt ist? Oder wären die Deutschen Ihnen als Minderheitsaktionär willkommen?

Wenn die Entscheidung für eine Fusion fällt, dann werden wir Vorschläge zu deren Einzelaspekten machen. Ich möchte jetzt nicht über etwas Theoretisches spekulieren.

Verstehen Sie, dass die deutsche Regierung ungern die Siemens-Beteiligung an dem Atom-Joint-Venture aufgeben möchte?

Ich habe die Position der deutschen Regierung nicht zu kommentieren. Ich stelle nur fest, dass Deutschland eine offizielle Haltung zur Kernkraft hat, die man berücksichtigen muss.

Die Deutschen haben also kein Recht, an der französisch-deutschen Nuklearfirma beteiligt zu bleiben, weil sie aus der Atomkraft aussteigen wollen?

Es ist eine Tatsache, dass Deutschland zuhause die Nuklearenergie nicht mehr fördert. Es ist schwierig, zuhause die Kernkraft nicht zu fördern, aber zu wollen, dass die eigenen Unternehmen anderswo die Kernkraft vermarkten.

Warum haben Sie sich entschlossen, das „Wall Street Journal“ wegen seiner Berichterstattung über die Schmiergeldvorwürfe gegen Alstom zu verklagen?

Wir finden, dass wir mit Vorwürfen überzogen werden, die unbegründet und unbewiesen sind. Wir glauben, dass das unserem Ruf schadet, und der spielt eine Schlüsselrolle in unserem Geschäft. Wir werden unseren Ruf nicht wiederholt schädigen lassen, ohne darauf zu reagieren.

Ich habe die beanstandeten Texte gelesen und finde sie nicht unfair.

Nun, ich finde, dass wir unfair behandelt wurden und habe entsprechend reagiert. Die Justiz wird entscheiden.

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