Interview mit Bayer-Finanzchef
"Spin-Off wahrscheinlicher als Börsengang"

Der Leverkusener Bayer-Konzern will die künftige Teilgesellschaft "NewCo" vollständig abgeben. Das Ziel sei, sich ganz von diesen Aktivitäten zu trennen, sagte Vorstandsvorsitzender Werner Wenning am Dienstag bei der Herbstpressekonferenz in Leverkusen.

HB LEVERKUSEN. Nach Worten des Bayer-Finanzchefs sei dabei aber wegen des schwierigen Börsenumfelds einen Spin-Off für den Bereich Chemie und Polymere derzeit wahrscheinlicher als ein eigener Börsengang. "Im gegenwärtigen Marktumfeld wäre ein Spin-Off eher wahrscheinlich", so Klaus Kühn im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er bekräftigte aber, auch ein separater Börsengang für die neue Gesellschaft mit dem Arbeitstitel "NewCo" sei möglich, falls sich die Marktbedingungen änderten.

Bayer hatte am Freitag mitgeteilt, dass Einzelheiten zur geplanten Abspaltung der Arbeitsgebiete noch nicht fest stünden. Es sei unklar, ob es einen separaten Börsengang mit einem Angebot an alle interessierten Investoren gebe, oder eine bloße Abspaltung (Spin-Off), bei der Bayer-Aktionäre Anteilsscheine der neuen Gesellschaft erhielten. Bis Anfang 2005 will sich Bayer von Teilen seiner Chemie- und Polymergeschäfte trennen. Die zuletzt krisengeschüttelte Pharma-Sparte soll dagegen nun doch eigenständig geführt werden. Vorstandschef Werner Wenning hatte die Suche nach einem Partner wegen fehlender Optionen bereits vor Wochen aufgegeben.

Der Leverkusener Konzern legte am Dienstag Zahlen zur Geschäftsentwicklung der ersten neun Monaten vor und teilte mit, bereits Ende September die Nettoverschuldung auf 6,9 Mrd. ? verringert zu haben. Damit erreichte Bayer nach eigenen Angaben bereits das für das Jahresende geplante Ziel. Eine neue Zielmarke nannte Kühn nicht. Er bekräftigte lediglich, dass Bayer seine Schulden weiter reduzieren wolle. "Wir wollen strenge Finanzdisziplin beibehalten." Der Finanzchef ergänzte, Bayer werde frühere Einsparziele um rund 200 Mill. ? in diesem Jahr übertreffen. Zum Jahresende werde das Unternehmen die Kosten um 700 bis 750 Mill. ? gesenkt haben.

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