Interview mit Bosch-Chef Franz Fehrenbach
„Die Büchse der Pandora ist geöffnet“

„Mit dem Mindestlohn ist ein Tor geöffnet worden, das sich kaum noch schließen lässt“, sagt Franz Fehrenbach, Chef des weltgrößten Automobilzulieferers Bosch. Im Handelsblatt-Interview äußerte er sich über die Gefahr eines allgemeinen Mindestlohns, die populistische Diskussion über Managergehälter und die enttäuschenden Ergebnisse der Weltklimakonferenz.

Handelsblatt: Herr Fehrenbach, die Weltklimakonferenz in Bali hat nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Die Amerikaner rudern nach kleinen Zugeständnissen schon wieder zurück. Sind Sie enttäuscht?

Fehrenbach: Meine Erwartungen waren von Beginn an eher bescheiden. Es ist völlig klar, dass die USA mitmachen müssen, wenn sich etwas bewegen soll. Ein deutlicheres Signal von Bali wäre nötig gewesen. Ein Problem wie den Klimawandel kann kein Land allein lösen. Da ist ein globales Vorgehen gefordert. Da müssen alle Länder mithelfen und gemeinsam etwas bewegen. Insofern ist mit der Einigung auf ein Nachfolgeprotokoll zu Kyoto gerade noch ein Minimalziel erreicht worden.

Die Milliardeninvestitionen in den Klimaschutz in Europa können also allein nichts bewirken?

Diese Investitionen sind sicherlich notwendig. Allerdings muss jeder etwas tun. So tragen etwa die europäischen Autos, die derzeit vor allem im Visier stehen, lediglich 0,2 Prozent zum gesamten weltweiten CO2-Ausstoß bei. Umso wichtiger ist es deswegen, einen ganzheitlichen Ansatz über alle Branchen und über alle Regionen hinweg zu verwirklichen.

Brüssel wird diese Woche neue Limits für den Kohlendioxidausstoß der Fahrzeuge ab 2012 vorstellen. Was erwarten Sie?

Wir plädieren für Grenzwerte, die nach Gewicht gestaffelt sind. Das ist entscheidend, denn es darf nicht zu einer Diskriminierung größerer Fahrzeuge kommen. Auch die kleinen und mittleren Fahrzeugklassen müssen ihren Beitrag leisten, denn nur über den großen Volumenhebel dieses Segments gelingt überhaupt erst ein zählbarer Beitrag des PKW-Verkehrs zur CO2-Reduzierung. In dieser Debatte sind wir in den vergangenen Monaten ein gutes Stück vorangekommen. Allerdings glaube ich nicht, dass die Vorlage der EU das letzte Wort sein wird.

Wie viel CO2 stößt denn derzeit Ihr Dienstwagen aus?

Die von der Geschäftsführung gemeinsam genutzten Fahrzeuge liegen über dem diskutierten CO2-Wert von 130 Gramm je Kilometer.

Aber die Schlacht im Klimawandel wird woanders geschlagen?

Es ist ganz wichtig, dass die verfügbaren Technologien in den stark wachsenden Schwellenländern konsequent eingesetzt werden, um den CO2-Ausstoß weltweit wirksam zu begrenzen. Aber auch in Europa haben wir Handlungsbedarf: Umweltschonende Techniken müssen sich viel schneller im Markt durchsetzen.

Sprechen wir jetzt nur von der Autoindustrie?

Der Straßenverkehr steht – wie so oft – im Mittelpunkt der Diskussion. Dabei wird völlig übersehen, welches Potenzial im Gebäudebereich liegt. Rund 60 Prozent aller Heizungsanlagen in Deutschland sind veraltet. Würden diese durch moderne Anlagen ersetzt, ergäbe sich ein Einsparpotenzial, das der Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes des PKW-Verkehrs in Deutschland entspricht.

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