Interview mit Bosch-Managern
Sensoren-Vernetzung „reif für die Industrie“

Der Autozulieferer Bosch hat Ende 2013 eine Tochterfirma für das Internet der Dinge gegründet. Im Interview erklären zwei Manager, welche Rolle das Unternehmen spielen will und kann.
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Las VegasSensoren sind die Sinnesorgane von Smartphones, Thermostaten und Fitness-Armbändern. Der Autozulieferer Bosch will von diesem wachsenden Geschäft profitieren und hat Ende 2013 eine Tochterfirma für das Internet der Dinge gegründet. Auf der Elektronikmesse CES wirbt sie um Kunden. Im Interview am Messestand erklärt Geschäftsführer Thorsten Müller, warum Bosch erst jetzt auf den Trend aufspringt und wo die Sensoren bereits zum Einsatz kommen. Stefan Finkbeiner, Chef der Sensorensparte Sensortec, hat die technischen Details parat.

Wie kommt ein Autozulieferer dazu, Sensoren für die vernetzte Welt herzustellen?

Finkbeiner: Bosch ist ein Pionier bei der Mikro-Elektronik. Wir haben schon in den 90er Jahren solche Sensoren eingeführt – sie messen die Beschleunigung und lösen zum Beispiel den Airbag aus. Diese Erfahrung nutzen wir seit 2005 auch in Handys, wir liefern schon jetzt pro Jahr eine Milliarde Sensoren für die Automobil- und Konsumelektronik aus. Jetzt ergeben sich neue Möglichkeiten, zum Beispiel bei Fitness-Armbändern oder der Heimvernetzung. Auf der CES stellen wir gerade einen neuen, von uns entwickelten Sensor vor. Er misst Temperatur, Feuchtigkeit und Druck in nur einem Gehäuse. Damit eignet er sich zum Beispiel für Thermometer.

Über das Internet der Dinge wird ja schon seit Jahren geredet, erst jetzt gründen Sie eine eigene Tochterfirma dafür. Sind Sie nicht zu spät dran?

Müller: Innerhalb von Bosch diskutieren wir schon seit einigen Jahren über die Vernetzung von Sensoren, aber die Frage ist: Wann ist ein Produkt reif für die Industrie? Wir glauben, dass jetzt der Zeitpunkt ist: Die Komponenten sind bei hohen Stückzahlen günstig zu produzieren, die Konnektivität ist allgegenwärtig, der Energieverbrauch der Sensoren niedrig.

Was ist die Aufgabe der neuen Tochterfirma?

Müller: Die Sensoren liefern Rohdaten – wir machen fertige Geräte, die die Informationen auswerten und damit zum Beispiel Bewegung, Temperatur, Druck und Luftfeuchtigkeit messen können. Einer unserer ersten Kunden ist Gigaset, das einen Sensor von uns in einem Sicherheitssystem fürs Smart Home einsetzt.

Wie funktioniert das?

Müller: Der Sensor wird an der Haustür angebracht und misst Erschütterungen und alarmiert bei Einbrüchen.

Was kostet ein Sensor?

Finkbeiner: Ein Sensor kostet heute bei einem großen Produktionsvolumen etwa ein Dollar pro Stück.

Welche Erwartungen haben Sie an das Geschäft?

Müller: Wir nennen keine Zahlen, orientieren uns aber an der erfolgreichen Entwicklung von neuen Geschäftseinheiten im Bereich der Konsumelektronik wie Bosch Sensortec. Der Markt wächst jedenfalls schnell, bis 2015 werden insgesamt sechs Milliarden Dinge vernetzt sein. Das Internet der Dinge prägt Bosch übrigens insgesamt sehr stark. Wir wollen künftig alle elektronischen Bosch-Produkte interfähig machen.

Die Sensoren erfassen detaillierte Informationen über die Gewohnheiten der Menschen. Wie gewährleisten Sie den Datenschutz?

Müller: Wie unsere Kunden damit umgehen, können wir natürlich nicht beeinflussen. Für uns ist wichtig, dass die Daten vom Sensor mit neuesten Verschlüsselungsverfahren sicher übertragen werden.

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