Interview mit Rudolf Schulten
Konzentrationsprozess in der Energie-Industrie noch nicht zu Ende

Frage: Herr Schulten, wird sich Ihrer Meinung nach die Zahl der Energiekonzerne weiter verringern?

Schulten: Der Konzentrationsprozess ist sicher noch nicht zu Ende, auch wenn es zwischenzeitlich in allen europäischen Ländern hohe kartellrechtliche Hürden gibt. Entscheidend für die Wettbewerbssituation auf dem europäischen Energiemarkt und damit für einen bleibenden Erfolg der Liberalisierung wird sein, dass auch in Zukunft genügend unabhängige Player in allen Größenklassen und in den unterschiedlichen Bereichen der Wertschöpfungskette miteinander konkurrieren können.

Frage:

Wie kann ein Regionalversorger wie MVV überhaupt gegen die Großkonzerne bestehen? Schulten: Wir haben uns mit unserem Börsengang vor fünf Jahren für die Strategie eines unabhängigen, national und international aufgestellten regionalen Verteilungsunternehmens entschieden. Im Gegensatz zur Erzeugung gibt es in der Verteilung nämlich keinen reinen Größenvorteil, da es sich um ein regionales Geschäft handelt. Genau deshalb haben wir unser Stadtwerke-Netzwerk aufgebaut, das wir weiter verstärken wollen. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Ausrichtung auch in der Zukunft am Markt erfolgreich agieren können. Frage: Welche Vorteile bietet ein Netzwerk, wie es die MVV Energie aufbaut, im Wettbewerb? Schulten: Der Hauptvorteil liegt darin, dass wir die Erfahrungen aus unseren Unternehmen überall in unserer Gruppe einsetzen können. Stichwort: Best Practice. Es geht um die Duplizierung und Multiplizierung von Geschäftsmodellen und Prozessen in wirtschaftlich interessanten regionalen Märkten. Dabei decken wir mit unseren Standorten die wichtigsten Wirtschaftsregionen ab: Mannheim und Offenbach bearbeiten die Rhein-Main-Neckar-Region, Solingen ist in Rhein-Ruhr aktiv, Ingolstadt liegt zentral in Bayern, Kiel deckt den norddeutschen Raum ab und mit Köthen habenwir ein Standbein im Wirtschaftsraum Leipzig-Halle. Frage: Hat MVV Energie denn genügend Kapital, um weitere Stadtwerke miteinzubinden? Schulten: Wir haben ein rasantes Wachstum hinter uns seit unserem Börsengang. Wir verfügen derzeit mit fast 30 Prozent immer noch über eine Eigenkapitalquote, die solide und branchenüblich ist. Und doch sind wir uns bewusst, dass wir für weitere größere Akquisitionen neues Kapital benötigen. Denn wir wollen weiter wachsen. Schließlich sind wir aufgrund der kartellrechtlichen Grenzen für die großen Verbundunternehmen derzeit einer der wenigen, die von den gefallenen Stadtwerkepreisen profitieren können. Deshalb hoffen wir auf eine bessere Börsensituation, um im kommenden Jahr einen zweiten Börsengang erfolgreich umsetzen zu können.

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