Johannes Feldmayer
Siemens-Vorstand in Haft

Neue Hiobsbotschaft für Siemens: Zentralvorstand Johannes Feldmayer sitzt in Untersuchungshaft. Das bestätigte das Unternehmen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg erneut mehrere Standorte des Konzerns in München, Nürnberg und Erlangen durchsucht hat. Es geht um die Bestechung von Arbeitnehmervertretern.

MÜNCHEN. Feldmayer ist der erste amtierende Zentralvorstand, der im Zuge diverser Ermittlungen von Strafverfolgungsbehörden gegen Siemens ins Gefängnis muss. Die Inhaftierung und die Durchsuchungen stehen im Zusammenhang mit der Affäre um die Arbeitnehmerorganisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger) und deren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky, der seit Februar in U-Haft sitzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Steuerhinterziehung. Sie vermutet Millionenzahlungen von Siemens an mehrere Beraterfirmen Schelskys, denen keine adäquate Gegenleistung entgegengestanden haben soll.

Bislang geht es um eine Summe von 14,75 Mill. Euro, in Presseberichten war aber schon von bis zu 40 Mill. Euro umstrittener Zahlungen die Rede. Ein Verdacht: Der Konzern hat sich mit den Zahlungen das Wohlwollen der Siemens-freundlichen AUB sichern wollen. Die Organisation besteht seit 22 Jahren, ebenso lange kämpft die IG Metall gegen die AUB.

Der seit Dienstag inhaftierte Feldmayer soll einen Beratervertrag mit Schelsky im Jahr 2001 für Siemens unterschrieben haben. Dies hatte Konzernchef Klaus Kleinfeld bereits vor Wochen bestätigt und der Staatsanwaltschaft Zusammenarbeit signalisiert. Zur Zeit des Vertragsabschlusses mit Schelsky war Feldmayer noch als Bereichsvorstand im Gebiet Industrieautomation (A&D) tätig. Im August 2003 rückte der 50-jährige Topmanager in den Zentralvorstand auf. Im Jahr 2004 galt er als einziger ernstzunehmender Konkurrent Kleinfelds um die Nachfolge Heinrich von Pierers als Konzernchef.

Feldmayer wird als besonnener, aber entschlossener Manager und guter Organisator beschrieben. In seiner heutigen Funktion betreut er den derzeit in einer Reorganisation steckenden Bereich SIS (IT-Dienstleistung) sowie die Bereiche Gebäudetechnik und Immobilien. Außerdem verantwortet er diverse Zentralabteilungen und die Regionen Europa und Deutschland. Zwischenzeitlich wurde Feldmayer in Kreisen des Unternehmens sogar als möglicher Nachfolger des heutigen Konzernchefs gehandelt, sollten Kleinfeld wegen der Schmiergeldaffäre im Bereich Com Konsequenzen drohen. Bis heute hat Kleinfeld allerdings jedes Wissen um die schwarzen Kassen strikt von sich gewiesen.

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