Joint Ventures oder Zukäufe nicht ausgeschlossen
Bayer nimmt Kurs auf Indien

Nach der kräftigen Expansion in China nimmt Bayer mit Indien einen weiteren Wachstumsmarkt ins Visier. "Indiens Wirtschaft hat enorm an Schwung gewonnen", sagte Vorstandschef Werner Wenning dem Handelsblatt in Indien. "Wir werden uns dort deutlich stärker engagieren", kündigte er an.

DÜSSELDORF. Er will das Land zum zweiten Expansionsfokus in Asien nach China machen. Dort setzte sein Konzern im Vorjahr mit 1,5 Milliarden Euro mehr als viermal so viel um wie in Indien. Milliarden-Investitionen wie in der Volksrepublik sind in Indien vorerst zwar nicht geplant. Dafür bleibe der Markt zu klein. Doch Wenning rechnet mit schnellem, dauerhaftem Wachstum. Sein Ziel lautet, das Indien-Geschäft bis 2015 auf eine Milliarde Euro zu verdreifachen.

Die größten Anstrengungen dafür sind im Gesundheitsbereich nötig, wo Bayer bislang kaum präsent ist. Um schnell eine nennenswerte Marktposition zu erobern, sucht die Health-Care-Sparte nach Partnern. Joint Ventures oder Zukäufe schließt Wenning nicht aus. Staatliche Preisregulierung und harte Konkurrenz mit lokalen Billig-Herstellern erschweren Ausländern zwar die Durchdringung des indischen Pharma-Markts. Doch eine Stärkung des Patentschutzes hat 2005 die größte Hürde beseitigt, und Firmen wie Astra-Zeneca, Pfizer oder Glaxo expandieren bereits.

Die größten Zuwächse im Indien-Geschäft erwartet der Konzern von seiner bereits heute stärksten Säule: der Sparte Crop Science. Diese soll von der Modernisierung der rückständigen Landwirtschaft profitieren. Deren Hektarerträge liegen weit unter dem globalen Durchschnitt. Der überfällige Ausbau von Bewässerungsanlagen macht zwar nur langsam Fortschritte. "Aber dank eines steigenden Bildungsniveaus sind immer mehr Bauern bereit, in fortschrittliche Agrartechnik zu investieren", sagte Bayer-Indienchef Stephan Gerlich dem Handelsblatt.

Bei Pflanzenschutzmitteln ist Bayer eigenen Angaben zufolge vor Syngenta und der Tata-Tochter Rallis Marktführer. Noch größere Absatzchancen sieht der Konzern bei modernem Saatgut wie Hybrid-Reis oder genmodifizierter Baumwolle.

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