Kältewelle
Russland liefert weniger Gas nach Westeuropa

Folge der Kältewelle: In Österreich kommt weniger russisches Erdgas an. Ein Verteilerstützpunkt östlich von Wien beklagt 30 Prozent Lieferkürzungen. Gazprom wehrt sich gegen die Anschuldigungen.
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Wien/MoskauRussland liefert wegen der extremen Kälte derzeit deutlich weniger Erdgas nach Westeuropa. Der österreichische Energiekonzern OMV bestätigte am Donnerstagmittag die Lieferkürzungen. „An unserem Verteilerdrehscheibe in Ost-Österreich kommt derzeit etwa 30 Prozent weniger Gas aus Russland an als sonst üblich“, sagte ein OMV-Sprecher in Wien. Der russische Staatskonzern Gazprom zeigte sich überrascht und wies die Anschuldigungen zurück.

„Mitten in einem harten Winter in Russland und Europa hat unser Unternehmen die maximalen Gaslieferungen nicht nur in europäische Länder (...) erhöht“, sagte Gazprom-Vize Alexander Medwedew nach Konzernangaben. Italien warf Russland nach Angaben der Agentur Interfax vor, 20 Prozent weniger Gas geliefert zu haben. Ähnliche Vorwürfe kamen auch aus Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei, wie die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag schrieb. Bereits zuvor hatten Medien berichtet, der russische Energieriese liefere weniger Gas als vereinbart, um die höhere Nachfrage auf dem heimischen Markt zu bedienen. Gazprom hatte dies ebenfalls zurückgewiesen.

Der betroffene OMV-Verteilerstützpunkt Baumgarten östlich von Wien dient in erster Linie zur Versorgung Österreichs mit russischem Erdgas. Von dort aus laufen jedoch auch weitere Gas-Pipelines in benachbarte Länder, so in den Süden Deutschlands, nach Italien und zu einigen Balkan-Ländern. Nach Angaben des Wiener OMV-Konzerns werde es jedoch keine Verbrauchsbeschränkungen geben. Österreichs größter Energiekonzern habe vor dem Winter alle Gasspeicher gefüllt und könne mit den Reserven die fehlenden Gaslieferungen aus Russland ersetzen.

Der österreichische Verteilerstützpunkt Baumgarten wird über die sogenannte „Freundschafts“-Pipeline versorgt, die von Russland aus über die Ukraine und die Slowakei bis nach Österreich verläuft. Nicht nur der Wiener OMV-Konzern wird darüber versorgt, sondern auch Abnehmer in der Ukraine und in der Slowakei. Auch der slowakische Gaslieferant SPP, an dem der deutsche Eon-Konzern beteiligt ist, spürt die verminderten Gaslieferungen aus Russland. Ein Unternehmenssprecher in Bratislava sagte jedoch, dass die Slowakei wie Österreich mit den Reserven aus Gasspeichern auch für längere Zeit versorgt werden könnte.
Nach der Gaskrise von 2009 und dem damit verbundenen Lieferstopp nach Westeuropa sind in vielen Abnehmerländern von russischem Erdgas zusätzliche Speicher gebaut worden, um auch längere Zeit ohne Lieferungen aus Russland überstehen zu können. Außerdem sind zusätzliche Pipelines gebaut worden, um osteuropäische Länder im Notfall auch aus Westeuropa mit Erdgas beliefern zu können.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kältewelle: Russland liefert weniger Gas nach Westeuropa"

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  • Vergessen haben Sie den Hinweis, dass die Grünen stolz darauf sind, dass Lebensmittel als nachwachsender Rohstoff legitim in Kraftstoff verwandelt werden, während die Weltbevölkerung vor zunehmenden Ernährungsproblemen steht.

    Man muss feststellen, dass diese Politik schicht als menschenverachtend zu klassifizieren ist.

    Wenn sich diese Politiker mit dem Slogan "Atomkraft Nein Danke" beim Wähler einschleimen, muss man sich ernsthaft fragen, was sind das für Leute, wenn deren "Gottvater" jetzt seine Brötchen bei einem Atomkraftbetreiber einstreicht.

    Normalerweise haben solche Leute ihr Rederecht ethisch und moralisch verwirkt.

  • Die Energiepolitik Deutschlands beruht auf ökoreligiösen Dogmen. Gem. dieser Dogmen wird neben vorindustrieller Biomasse, Wind und Sonne lediglich Erdgas als moderne Energie hingenommen.

    Gas als Leitungsenergie, bezogen von einem Land mit eigenen Vorstellungen, ist nicht ganz risikofrei. Kritische Aeusserungen gegenüber Russland ... Es ist auch nicht günstig als der Gaspreis in Westeuropa etwa doppelt so hoch ist wie in Nordamerika.

    Wenn man im ökoreligiösen Hass auf moderne Energieerzeugungsverfahren fortfährt Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke schliesst, so wird eine Mehrheit irgendwann immer öfters kalte und dunkle Winter erleben.

    Vandale

  • Ja selbstverständlich gibt es das...

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,312076,00.html

    Sie dachten doch nicht, Ihre Hausbank, Versicherer, Handwerker und Ärzte seien die einzigen die Sie massiv betrügen... ; )

    Sind halt auch nur Menschen, gierig wie wir alle.

    MfG.

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