Kapitalengpass
Biotechbranche fürchtet Finanzlücke

In der deutschen Biotechbranche wächst die Furcht vor finanziellen Engpässen. Hintergründe sind ein schrumpfender Zufluss an Wagniskapital sowie die Sorge, dass sich Venture-Capital-Fonds aufgrund steuerlicher Nachteile komplett vom Standort Deutschland verabschieden könnten.

FRANKFURT. "VC-Firmen ziehen sich als Kapitalgeber aus Deutschland in alarmierendem Ausmaß zurück", warnten Finanzvorstände zahlreicher Biotechfirmen jüngst in einem offenen Brief an die Bundesregierung. Vor allem in der Medikamenten-Entwicklung - ohnehin bereits ein Schwachpunkt der deutschen Biotechbranche - könnte das nach Einschätzung von Fachleuten negative Rückwirkungen haben und die Position der Unternehmen zusätzlich schwächen. Die nötigen klinischen Studien erfordern in aller Regel erheblichen Aufwand. Fortschritt in diesem Bereich sei daher letztlich auch eine Frage der Ressourcen, so Biotech-Expertin Julia Schüler von Ernst & Young. "Hält der Mangel an Risikokapital an, werden Biotechfirmen ihre F+E-Aktivitäten einschränken müssen."

Typische Biotechfirmen finanzieren sich in aller Regel nicht über Kredite, sondern komplett über Eigenkapital, das meist von spezialisierten Risikokapitalfonds zur Verfügung gestellt wird. In Deutschland engagierten sich in den letzten Jahren darüber hinaus vermögende Unternehmer wie der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und die beiden früheren Hexal-Eigner Andreas und Thomas Strüngmann stark in der Biotechbranche.

Ihr Einsatz konnte aber den Rückzug institutioneller Investoren offenbar nicht kompensieren. Branchenbeobachter schätzen, dass sich der Zufluss an Wagniskapital 2008 gegenüber dem Vorjahreswert von rund 320 Mio. Euro nahezu halbiert hat. Genaue Zahlen will Ernst & Young im Mai publizieren.

Die Entwicklung fügt sich dabei teilweise in einen globalen Trend, der unter anderem dazu führt, dass die Finanzierung über Kooperationsverträge mit großen Pharmafirmen erheblich an Bedeutung gewinnt. Deutsche Biotechfirmen haben in diesem Bereich ihre Position in den letzten Jahren zwar verbessert, liegen im internationalen Vergleich aber noch weit zurück - vor allem was Lizenzverträge für konkrete Pharmawirkstoffe angeht.

Als Auslöser für die Schwächen im Bereich Risikokapital gilt die Finanzkrise. Sie bescherte wichtigen Kapitalgebern der VC-Fonds, darunter etwa Versicherungen, Pensionsfonds und große Banken, erhebliche Ausfälle in anderen Anlagekategorien, wodurch nun weniger Mittel für den Bereich Wagniskapital zur Verfügung stehen.

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