Kapitalerhöhung
Nervosität bei Schaeffler wächst

Drückende Schulden und einbrechende Gewinne - für den Zulieferkonzern Conti nimmt der finanzielle Druck zu. Wegen der aktuellen Lage auf den Finanzmärkten muss der Konzern nun seine geplante Kapitalerhöhung vorerst streichen. Die Nervösität in der Schaeffler-Gruppe wächst.

HAMBURG/MÜNCHEN. Der Zuliefererkonzern Continental hat Pläne für eine mögliche Kapitalerhöhung vorerst ad acta gelegt. "Eine Kapitalerhöhung ist beim derzeitigen Börsenkurs von Conti und in der aktuellen Lage der Finanzmärkte unrealistisch", erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Der inzwischen zu Thyssen-Krupp gewechselte Finanzvorstand Alan Hippe hatte noch vor wenigen Wochen eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ins Spiel gebracht und damit den Kurs der Conti-Aktie drastisch einbrechen lassen. Die Pläne werden nun aber vorerst nicht weiterverfolgt. Damit wird der Handlungsspielraum von Conti und seinem Großaktionär Schaeffler weiter eingeengt.

Conti und Schaeffler stehen finanziell derzeit an mehreren Fronten unter Druck. Die neue Gruppe ist mit mehr als 20 Mrd. Euro verschuldet. Wegen der Autokrise brechen gleichzeitig die Gewinne ein. Schaeffler fragte bei Bund und Ländern bereits um Staatshilfen nach. Nun muss das fränkische Unternehmen auch noch im großen Stil Kurzarbeit einführen. Betroffen sind die allermeisten deutschen Standorte. Heute sind Betriebsversammlungen an mehreren Standorten geplant. "Das hat aber mit der Conti-Übernahme nichts zu tun", sagte Wolfgang Müller, der für die IG Metall Schaeffler betreut. Der Konzern sei wie fast alle Zulieferer von der Autokrise betroffen und müsse zeitweise die Produktion stoppen. An Standorten wie zum Beispiel Wuppertal, wo Industrieprodukte gefertigt werden, laufe die Fertigung weiter unter Volllast.

Dennoch dürfte die Kurzarbeit die Liquiditätslage bei Schaeffler nach Einschätzung in Unternehmenskreisen etwas verbessern. Die Bundesregierung hatte den Konzern mit seinem Interesse an einer Kapitalspritze abblitzen lassen. Im Gespräch sind derzeit noch staatliche Garantien für die angeschlagene Gruppe. In etwa zwei Wochen findet das nächste Krisentreffen zwischen Bund, Ländern und den Konzernchefs statt. Bis dahin soll Schaeffler ein überzeugendes Zukunftskonzept präsentieren und sich von Wirtschaftsprüfern in die Bücher schauen lassen. Der Gesamtbetriebsrat bat die Politik gestern in einem offenen Brief um Unterstützung. Der Konzern könne die aktuelle Schieflage aus eigener Kraft nicht meistern.

Schaeffler hatte sich mit der Übernahme des Konkurrenten Conti verhoben. Auch den Hannoveraner Konzern drückt wegen des Kaufs der Siemens-Tochter VDO eine hohe Schuldenlast. Wegen des hohen Kaufpreises drohen Conti nach eigenen Angaben Goodwill-Abschreibungen in Höhe von einer Mrd. Euro.

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