Kommentar
China wird Spitzenreiter der alternativen Energien

Wieder einmal wurde China unterschätzt. Während die Deutschen ihre Energiewende planen, ziehen die Chinesen im Bereich der alternativen Energien an ihnen vorbei.
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Während wir die Energiewende noch planen, sind die Chinesen, was alternative Energien betrifft, schon an uns vorbeigezogen. Das wird derzeit auf dramatische Weise sichtbar: Der einstige deutsche Weltmarktführer Q-Cells kämpft ums Überleben. Er hat im zweiten Quartal über 350 Millionen US-Dollar Verlust gemacht – fast das Vierfache des Gewinns des vergangenen Jahres. Auch die deutschen Wettbewerber straucheln. Einzelfälle, auf die Börsen nervös reagieren? Nein, es ist ein Trend, der hoffentlich nicht typisch für die deutsche Wirtschaft wird.

Wieder einmal haben wir die Chinesen unterschätzt. Während wir noch über chinesische Subventionen und Technologieklau lamentieren, haben die Chinesen uns überholt. Da ist es wenig tröstend, dass es den westlichen Konkurrenten nicht bessergeht. Kein anderes Land der Welt investiert inzwischen mehr Geld in erneuerbare Energien als China. Um vierzig Prozent haben die Chinesen ihre Investitionen im vergangenen Jahr gesteigert auf 54 Milliarden US-Dollar. Damit kommt fast ein Drittel aller grünen Investitionen der G20-Länder aus China.

Der Weltmarktanteil der deutschen Solarenergie ist innerhalb von fünf Jahren von fünfzig auf gut zwanzig Prozent gesunken. Der Anteil der Chinesen ist allein 2010 von 36 auf 45 Prozent gestiegen. Die größten deutschen Solarunternehmen stehen 2011 auf Platz 16 und 17 der Weltrangliste. Spitzenreiter ist inzwischen ein chinesischer Konzern. Dabei haben die Chinesen noch gar nicht richtig angefangen. Die chinesischen Investitionen sind, an der Einwohnerzahl gemessen, im Vergleich zu Deutschland noch klein.

Bei der Windenergie sieht es nicht besser aus. Erstmals sind 2010 die meisten neuen Windräder nicht in Europa und Nordamerika, sondern im Reich der Mitte aufgestellt worden. Fast die Hälfte aller weltweit pro Jahr errichteten neuen Windmühlen steht in China. Anfang Juli 2011 gelang es dem chinesischen Unternehmen Sinovel sogar, einen Großauftrag in Irland im Wert von eineinhalb Milliarden Euro zu akquirieren.

Die größte Solaranlage Griechenlands wird von dem chinesischen Hersteller Yingli Solar gebaut. Die Deutschen hingegen kriegen den Fuß in China kaum noch auf den Boden. 2004 wurden noch neunzig Prozent von Chinas Windanlagen von Ausländern geliefert. Im Jahr 2010 stammten neunzig Prozent der Anlagen aus chinesischer Produktion.

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  • Die Wachstumsdynamik ist ein natürlicher Vorteil für China, die müssen ihre Infrastruktur erst aufbauen, da kann man in bereits entwickelten Ländern nicht mithalten - das kann man daher auch niemandem zum Vorwurf machen. Vielmehr gilt es, die trotzdem bestehenden Chancen zu erkennen und zu nutzen.

  • Planungssicherheit bei Erneuerbaren erscheint mir in China höher als in Deutschland.
    In der deutschen Gesetzgebung geht es binnen weniger Jahre immer wieder hin- und her. Im Zweifel gewinnen die old school Großunternehmen.
    So kann kein innovatives Unternehmen Geld ansammeln und sich durchsetzen. Anstatt auf Elektromobilität setzen wir auf Biokraftstoff-Verbrennungsmotoren, anstatt unser Stromnetz für dezentrale Erzeugung umzustellen will man CCS Kohle-Kraftwerke; ach ja und Atomkraftwerke.
    Es ist nicht so, dass die Regierung nicht wüsste (oder wissen könnte) wie es geht.
    Die Publikationen der eigenen wissenschaftlichen Berater WBGU oder ähnliche geben ganz klare technologische Trends, gut begründet, vor.

  • Chinesische Windenergieanlagen, die offshore errichtet wurden, muessen ca. alle zwei Monate repariert werden. Dies erhoeht die Kosten enorm und wird auch schon von lokalen Entwicklern kritisiert. Wenn westliche Hersteller ihre Innovation beibehalten, haben sie eine Chance.

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