Konzern zweifelt an Gewinnziel
Motorola oder Acer mögliche Partner für Siemens-Handysparte

Siemens will sein verlustbringendes Handy-Geschäft rasch loswerden. In einem ersten Schritt wird die kriselnde Sparte nun ausgegliedert, um leichter einen Partner dafür zu finden. Im abgelaufenen Quartal fraßen die Verluste in der Handy-Sparte bei Siemens die Gewinnzuwächse in anderen Geschäftsfeldern auf.

HB LISSABON. Wegen massiver Probleme im Kommunikationsgeschäft (Com) und bei der IT-Tochter SBS stellt Siemens seine ohnehin vorsichtige Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr in Frage. „Für das Gesamtjahr hatten wir uns unter bestimmten Voraussetzungen noch einmal einen leichten Ergebnisanstieg zugetraut“, sagte der seit knapp hundert Tagen amtierende Konzernchef Klaus Kleinfeld am Mittwoch in Lissabon. „Das ist heute schwer einzuschätzen.“ Die Sanierung bei Com sorge für Belastungen, „die sich aus heutiger Sicht weder beziffern noch zeitlich bestimmen lassen“.

Im zweiten Quartal 2004/05 (zum 31. März) verfehlte Siemens vor allem wegen hoher Verluste bei SBS und den Handys die operativen Ergebniserwartungen. Kleinfeld kündigte an, alle renditeschwachen Bereiche des Konzerns binnen zwei Jahren auf Kurs zu bringen: „Ich stehe persönlich dafür ein.“ Zuletzt schafften nur sechs der zwölf Siemens-Sparten ihr Margenziel.

Die Siemens-Aktie verlor zeitweise 2,5 % auf 56,72 € und notierte damit so schwach wie seit etwa acht Monaten nicht mehr. Später erholte sich das Papier leicht. „Per saldo fiel der Quartalsbericht enttäuschend aus“, sagte Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Mit Blick auf Siemens Business Services (SBS) fügte er hinzu: „Kaum zeichnet sich eine Lösung bei den Handys ab, liefert ein anderes Segment schwache Zahlen.“ Frank Rothauge von Sal Oppenheim ergänzte, der Druck auf Kleinfeld steige. „Die Siemens-Aktie ist totes Kapital, so lange das Management keine Lösung für diese Themen präsentiert.“

Nach monatelangem Hin und Her will Siemens die Sparte Handys und Schnurlostelefone nun in eine Partnerschaft mit einem oder mehreren Unternehmen einbringen. Die Schließung des Segments mit rund 6000 Beschäftigten in Deutschland ist somit vom Tisch. „Wir können unseren Kunden garantieren, dass es auch künftig Handys unter diesem Markennamen geben wird“, sagte Kleinfeld. Weitere Details würden in Kürze bekannt gegeben. Nach Angaben aus Branchenkreisen steht Siemens in intensiven Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Motorola und dem taiwanesischen Acer-Konzern. Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger sagte, es sei eher unwahrscheinlich, dass Siemens die Mehrheit an dem Geschäft behalte. Zunächst soll die Sparte rechtlich ausgegliedert werden.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bezweifeln laut IG Metall den Sinn der Ausgliederung. Die Endgeräte für die Telekommunikation seien ein zentrales Produkt mit wachsender Bedeutung. Dies habe auch Siemens selbst bei der Bildung des Kommunikationsbereichs Com im vergangenen Jahr immer wieder betont. Die Arbeitnehmervertreter forderten für das Geschäft mit Endgeräten eine Offensivstrategie sowie Garantien für Standorte, Beschäftigung und Tarifverträge.

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