Korruptionsaffäre bei Siemens
Hey Joe, kennst du nicht einen guten Anwalt?

Die Siemens-Chefs wappnen sich gegen das, was noch kommen kann in der Schmiergeldaffäre: Sie engagieren Verteidiger, die schon im Mannesmann-Prozess führend waren. Die Top-Anwälte vertreten jedoch nicht nur Wirtschaftsgrößen wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Unter den Klienten finden sich auch haufenweise Sportstars.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF Eigentlich sollte das „Adventsspektakel“ vor der Siemens-Zentrale auf dem Wittelsbacher Platz vonstatten gehen. Dort, wo alle Jahre wieder Münchens mittelalterlicher Weihnachtsmarkt seine Zelte aufschlägt.

Stattdessen versucht sich ein Fernsehreporter, der vor der Hauptverwaltung des Technikkonzerns am Kopf des Platzes Stellung bezogen hat, auf das zu konzentrieren, was hinter den rosa Mauern in Leo von Klenzes Palais vor sich geht. Manchmal bekommt er von drinnen Tee gebracht, nur Informationen, die fließen immer noch spärlich.

Siemens, die Weltmacht deutschen Know-hows, sie steht am Pranger. Und unter Druck Heinrich von Pierer, in dessen Amtszeit das System der schwarzen Kassen aufgebaut wurde. Die Affäre kratzt aber auch am ohnehin ramponierten Image von Konzernchef Klaus Kleinfeld.

Eigentlich wollte der seit Mittwoch wieder in die Offensive und als der große Aufklärer dastehen. Er hat US-Fachanwälte geholt, er hat Michael Hershman als Berater angeheuert, einen Antikorruptionsspezialisten mit Verbindungen zum FBI. Er versprach lückenlose Aufklärung. Doch die Meldung des Tages wurde dann doch eine ganz andere.

Führende Manager des Konzerns haben sich strafrechtliche Hilfe geholt – ausgerechnet die Unterstützung zweier Anwälte, die im Prozess um die Millionenabfindungen beim Mannesmann-Konzern für Schlagzeilen sorgten. Ein bemerkenswerter Vorgang. Heinrich von Pierer hat Sven Thomas engagiert, der einst Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser verteidigte. Und Klaus Kleinfeld lässt sich von Klaus Volk beraten, dem Anwalt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Beide Anwälte, so hört man bei Siemens, seien dem Konzern seit langem verbunden. Außerdem gehört Ackermann auch dem Aufsichtsrat des Unternehmens an. Es heißt, er pflege zum Konzernchef ein gutes Verhältnis. Das Motto der Aktion könnte also lauten: „Hey Joe, kennst du nicht einen guten Anwalt?“

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