Korruptionsskandal
Siemens gesteht Fehler ein

Der Korruptionsskandal bei Siemens hat größere Ausmaße als bislang angenommen. Nicht nur, dass die Summe der Schmiergelder möglicherweise doppelt so hoch liegt. Angeblich hat die Konzernführung auch schon länger von den Vorgängen gewusst als sie zugibt. Die Staatsanwaltschaft hat jedenfalls einen früheren Vorstand verhaften lassen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

MÜNCHEN. Das Unternehmen geht inzwischen von zweifelhaften Zahlungen in Höhe von 420 Mill. Euro aus. Als Folge der Affäre muss Siemens den Gewinn revidieren und für die vergangenen sieben Jahre zusätzlich Steuern in Höhe von 168 Mill. Euro zahlen. Finanzchef Joe Kaeser gestand das Versagen des Managements ein: „Das interne Kontrollsystem hatte materielle Schwächen.“ Damit räumt Siemens die jahrelange Korruption im Konzern erstmals offen ein.

Eine neue Dimension erreichte die Siemens-Affäre auch dadurch, dass der frühere Siemens-Zentralvorstand und ehemalige Leiter der Kommunikationssparte Com, Thomas Ganswindt, verhaftet wurde. Dies bestätigte ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums am Dienstagabend. Ganswindt hatte erst im September angesichts der bevorstehenden Auflösung der Sparte Com den Konzern verlassen. Die Kommunikationssparte steht im Zentrum der Schmiergeldaffäre. Ganswindt soll von einem ehemaligen Com-Kollegen belastet worden sein.

Trotz immer neuer Hiobsbotschaften sieht Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, in dessen Amtszeit als Vorstandschef der Aufbau des Systems schwarzer Kassen fällt, keinen Grund, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Die Frage, ob es einen Interessenkonflikt gebe, sei mit der Einsetzung unabhängiger Prüfer ausgeräumt. „Es ist unser gemeinsames Ziel, diesem Spuk der Korruption ein Ende zu machen“, sagte er.

Konzernführung soll früh informiert gewesen sein

In Anwaltskreisen der Beschuldigten hieß es, der Staatsanwaltschaft lägen „objektive Unterlagen“ vor, die belegten, dass der Konzernführung das Ausmaß der Affäre lange vor der Razzia der Staatsanwaltschaft am 15. November bekannt gewesen sei. Von Pierer hatte gesagt, dass er erst an diesem Tag vom System schwarzer Kassen erfahren habe.

In jüngster Zeit hatte es heftige Kritik daran gegeben, dass von Pierer nun als Siemens-Oberaufseher Vorgänge aus seiner Zeit als Vorstandschef aufklären soll. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) will daher bei der anstehenden Hauptversammlung einzeln über die Entlastung der Vorstände und Aufsichtsräte abstimmen lassen.

Vier Wochen nach der Razzia der Staatsanwaltschaft, bei der auch das Büro des Vorstandschefs Klaus Kleinfeld durchsucht wurde, wird nun das Ausmaß der Korruptionsaffäre im Siemens-Konzern immer deutlicher. Die Staatsanwaltschaft München geht bislang davon aus, dass ein Dutzend Verdächtige 200 Mill. Euro veruntreut und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben.

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