Kostenrechnung
Eon-Chef warnt vor Kosten der Energiewende

Die überstürzte Energiewende könnte die Kraftwerksbetreiber finanziell „überfordern“, warnt Eon-Chef Teyssen. Anders sieht es hingegen beim Konkurrent RWE aus: Der Konzern könnte beim Ausstieg ordentlich Kasse machen.
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Der Chef des größten deutschen Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, hat in der Diskussion um eine Energiewende vor einer finanziellen Überforderung der Betreiber von Atomkraftwerken gewarnt. „Man kann den Lastesel nicht erst schlachten und ihn dann weiter tragen lassen wollen“, sagte Teyssen der Zeitung „Die Welt“. Wenn Deutschland keine Kernenergie mehr wolle, werde sich Eon daran ausrichten.

Sein Unternehmen werde nicht an der Gesellschaft vorbei produzieren. „Aber wer unsere Investitionen in eine andere Energiezukunft fordert, muss uns dazu auch finanziell die Möglichkeit erhalten.“ Die Atomenergie sei nicht alternativlos, räumte Teyssen ein.

Allerdings gebe es bei den alternativen Wegen ethische, energiepolitische, wirtschaftliche und soziale Nachteile. „Der Klimaschutz kann nicht so schnell vorangebracht werden, da in zehn Jahren bestimmt noch kein europäisches Supernetz für grüne Stromimporte etwa aus Nordafrika funktioniert.“

Deutschland werde viel mehr Gas- und einige weitere Kohlekraftwerke und schnell leistungsfähige Netze benötigen. „Der CO2-Ausstoß wird zwangsläufig höher, und Deutschland wird seine Klimaziele in den kommenden zehn Jahren nicht erreichen.“

Bei Eon-Rivale RWE kann man dem geplanten AKW-Aus hingegen gelassener entgegensehen. Der Energiekonzern könnte bei einer Abschaltung der Atomreaktoren in Biblis mittelfristig mehr Geld verdienen als bei einem Weiterbetrieb der Meiler. Ein RWE-Sprecher bestätigte am Wochenende einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Voraussetzung hierfür sei aber, dass der Strompreis steige, fügte der Sprecher hinzu.

Das Nachrichtenmagazin berief sich auf ein im Sommer 2010 erstelltes Szenario. Demnach würde ein Abschalten der Meiler die Strommenge verknappen und den Strompreis steigen lassen. Davon würden die nur teilweise ausgelasteten Kohlekraftwerke des Konzerns profitieren.

Die Zusatzgewinne dort könnten laut RWE-Szenario die Ausfälle in Biblis mittelfristig deutlich übersteigen, zumal der Bund durch die Brennelementesteuer Teile des Atomgewinns abschöpfe, schrieb das Magazin. Der RWE-Sprecher sagte, mittelfristig sei ein solcher Effekt zwar denkbar. Es sei aber unklar, ob die Strompreise tatsächlich entsprechend steigen.

Es sei ebenfalls denkbar, dass die durch den Ausstieg fehlenden Strommengen durch Importe aus dem Ausland ausgeglichen würden. Klar sei hingegen, dass RWE durch das Moratorium der Bundesregierung kurzfristig Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu verkraften habe. Das Szenario wurde laut Magazin auch dem Aufsichtsrat zugeleitet.

Die Kontrolleure wollen RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann auf einer Sitzung am Dienstag zu seinen Plänen befragen. Am Mittwoch findet die RWE-Hauptversammlung statt.

Der RWE-Vorstand für erneuerbare Energien, Fritz Vahrenholt, warnte vor einem Stromkollaps und der Vertreibung der Industrie aus Deutschland durch eine vorgezogene Energiewende. Statt Atommeiler abzuschalten, müsse die Bundesregierung erst ein Sofortprogramm zum Netzausbau inklusive ortsnaher Speicher starten, sagte Vahrenholt der "Wirtschaftswoche". Ein begleitendes Gesetz müsse zudem Einspruchsrechte begrenzen und Verbandsklagen ausschließen.

Die Herstellungskosten für Strom aus erneuerbaren Energien werden sich laut Vahrenholt frühestens in einigen Jahren dem Niveau des Atomstroms annähern. Dabei nütze es wenig, wenn die Bürger bereit seien, mehr Geld für grünen Strom zu zahlen. "Es wird leider immer vergessen, dass zwei Drittel des Stroms Industrie und Gewerbe abnehmen. Jeder Cent, den sie mehr zahlen müssen, schmälert ihre Wettbewerbsfähigkeit", sagte Vahrenholt.

Würde Deutschland alle Atommeiler vom Netz nehmen, "würde ich mir als internationaler Investor genau überlegen, ob ich einen energieintensiven Betrieb noch in Deutschland ansiedle", betonte der RWE-Vorstand.

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  • Wieso HB nicht in der Lage ist, die Funktionen hier konsistent zu programmieren oder programmieren zu lassn, bleibt deren Geheimnis. Aus den Uhrzeiten sieht man ja, welchen Teil ich zu erst gesendet habe. Ich habe ihn auch über "antworten" erstellt…


  • Ich denke Frank Asbeck liegt mit seinen veranschlagten 250 km zusätzlicher Höchstspannungsleitung im realistischen Bereich.

    Und jetzt denken Sie mal bei den PC's weiter: 500.000 sind da schnell beieinander, dafür können Sie eine alte Dreckschleuder im Ruhrpott abstellen, mit 2.500.000 ein AKW, das im deutschen Ø auch nicht mehr als 50% der Nennleistung netto an das Netz liefert.
    2,5 Mio. sind wohl etwas hoch gegriffen, aber irgendwo zwischen 0,5 Mio. und diesen dürfte die Zahl der unnütz betriebenen PC's liegen. Und das ist nicht DAS Beispiel, sondern nur eines.
    Eine Aluraffinerie oder ein Kupferwalzwerk hat neben solchen, alle betreffenden Problemen natürlich auch große Potentiale im Bereich des spezifischen Energieumsatzes, aber da müsste man im Einzelfall zu sehr in die Anlagentechnik gehen um dem breiten Leserkreis hier ein Prinzip vor Augen zu führen.

    Solche Potentiale sind heute schon häufig wirtschaftlich zu heben und den direkt Verantwortlichen auch fast ebenso häufig bekannt, aber "der Chef/ Controller/ Betriebsrat (JA!)" hat was dagegen. Wie viele kleine Wichte, die Angst vor Veränderungen haben und nicht die Wurst nach dem Schinken werfen können.

    Mir soll es recht sein, meine Rechnung stimmt. Ich wollte Sie bloß nicht ohne Warnung einsacken.

    In Froher Erwartung

    Ihr Freund Hein

  • Hier gibt es die Funktion "antworten" und ich tue das auch. (Sie haben scheint's nicht die Zeit dazu…) Ich arbeite seit vielen Jahren im Bereich Automotive/Metallerzeugung/Metallbearbeitung und kenne die "Trafohäuschen" neben den Werken. Ich wollte nur in Bereichen Beispiele geben, die vielen Lesern geläufig sind, um dann eben auch ein paar dickere Brocken wie "Maschine schon mal einlaufen lassen, 24h Festbeleuchtung bei 15 Minuten Raumnutzung" zu nennen. Das unterschlagen Sie gerne, weil es Ihnen nicht passt.
    Gehen Sie mal in eine Halle, zählen die Lampen und rechnen mal nach. …

    Das Problem besteht zu einem erheblichen Teil in faulen Säcken, die meinen, "auf die paar Watt kommt es nicht an", ohne ein wesentliches Paket an E-On oder RWE zu halten.

    Kapitalbeteiligung an einem Unternehmen ist diesen Klotzköpfen sowieso zu hoch. 5 unnötig laufende PC's sind nur 1 kW. Aber eben ein kW Dauerleistung. Brechen Sie doch mal den Stromverbrauch Ihres Privathaushaltes auf Dauerleistung runter, dann wissen Sie, wie wenig Leistung eigentlich erforderlich wäre, um Sie vom Netz abzumelden. Ich tippe mal auf ein 1 kW-BHKW. Und Sie werden dann noch mehr einspeisen, als Sie bei Spitzen ziehen. Jetzt überschlagen Sie mal auf z.B. 10 Mio Eigenheime und ähnliche, von größeren Wohneinheiten ganz zu schweigen. Die Infrastruktur für diese Stromverteilung steht. Dafür braucht es nichts Neues.

    Ups, zu lang...

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