Kraftwerksbau
Eon sucht Heil in neuen Märkten

Eon-Chef Johannes Teyssen plant eine radikale Strategiewende: Europas größter Energiekonzern will sich künftig auch in Asien oder Südamerika engagieren und dort Kraftwerke bauen. In Europa will Konzernchef Johannes Teyssen dafür unrentable Aktivitäten verkaufen
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DÜSSELDORF. Europas größter Energiekonzern E.on will sich künftig auch in Asien oder Südamerika engagieren. Eon will in wachstumsstarken Ländern wie China, Indien oder Brasilien Kraftwerke modernisieren, bauen und betreiben, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Teyssen will hierfür Milliarden investieren. Im Gegenzug werde der Eon-Chef in Europa renditeschwache Geschäftsfelder abtrennen. Dabei werden alle Bereiche überprüft.

Teyssen, der erst im Mai Wulf Bernotat an der Spitze des Versorgers abgelöst hat, will seine neue Strategie am kommenden Mittwoch präsentieren. Dabei bricht er mit einem Dogma. Bisher hatte sich Eon - wie auch RWE - bewusst auf Europa konzentriert und so den Konkurrenten aus Italien, Spanien oder Frankreich die Wachstumsmärkte überlassen. Das bisher einzige substanzielle Eon-Engagement in Übersee - ein Versorger in den USA - wird zurzeit abgewickelt.

Teyssen wählt jetzt aber einen anderen Ansatz. Er will keine Strom- oder Gasversorger kaufen, sondern sein Unternehmen im wachstumsstarken Markt der Independent Power Producer (IPP) positionieren. Das sind Unternehmen, die sich in ausgewählten Regionen auf Bau und Betrieb von Kraftwerken beschränken und den Strom dann nicht an Endkunden, sondern im Großhandel veräußern. Eine ähnliche Strategie verfolgt der französische Rivale GDF Suez, der jüngst den IPP-Spezialisten International Power kaufte.

Teyssen setzt auf bislang nicht ausgereiztes Know-how im Bau und Betrieb von Kraftwerken, das er in der in Gelsenkirchen ansässigen Tochter Eon New Build & Techno gebündelt hat.

Ein Sprecher lehnte zwar einen Kommentar ab, doch Konzerninsider berichten, dass Eon in den neuen Zielmärkten auch in erneuerbare Energien investieren will. Eon Climate & Renewables, die einzige Tochter, die schon jetzt weltweit agiert, bekommt zusätzliche Mittel. Auch die Großhandelstochter Eon Sales & Trading soll künftig weltweit handeln.

Länder wie China und Indien benötigen dank ihres rasanten Wachstums dringend neue Energiequellen. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) muss allein China in den nächsten 20 Jahren etwa 4 000 Mrd. Dollar investieren, um Engpässe in der Stromversorgung zu vermeiden. Teyssen braucht aber auch neue Wachstumsfelder, weil das Geschäft in Europa nur begrenzte Perspektiven bietet.

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