Kraftwerksbau
Siemens-Ausstieg setzt Areva unter Zugzwang

Eigentlich wollte Siemens sein Engangement beim französischen Atomriesen Areva ausbauen. Doch weil die Politik den Deal verhinderte, wollen die Münchener sich nun komplett aus dem Joint Venture zurückziehen - und den Franzosen Konkurrenz im Kraftwerksgeschäft machen.

PARIS. Siemens und Areva haben erste Gespräche darüber aufgenommen, wie ihr Atom-Joint-Venture beendet werden kann. Das erklärte eine Areva-Sprecherin auf Anfrage. Siemens hatte Ende Januar überraschend verkündet, seinen Anteil von 34 Prozent am Kraftwerksbauer Areva NP an die Areva Holding zurückgeben zu wollen. „Bis zum Sommer wollen wir eine Einigung über den Wert der Beteiligung erzielt haben“, heißt es dazu von Areva. Derzeit steht die Beteiligung mit zwei Milliarden Euro in den Büchern. Der italienische Rüstungs- und Technik-Konzern Finmeccanica dementierte gestern Gerüchte, denen zufolge Finmeccanica den Siemens-Anteil an Areva NP übernehmen wolle.

Bei Areva ist man alles andere glücklich über die Entscheidung der Deutschen. Denn der Ausstieg von Siemens erhöht den finanziellen Druck auf den Atomkonzern, der die komplette Wertschöpfung der Atomwirtschaft abdeckt – von Uran-Minen über Kraftwerksbau bis zur Wiederaufbereitung von Brennelementen.

Bereits jetzt schafft es Areva-Chefin Anne Lauvergeon nicht, ihr Investitionsbudget für das laufende Jahr von drei Milliarden Euro durch den Aufsichtsrat zu bekommen. Bis 2012 will Areva insgesamt elf Milliarden Euro investieren, die Finanzierung ist aber noch offen. Das Thema dürfte großen Stellenwert bei der Vorstellung der Jahresergebnisse von Areva haben, die für heute Abend angesetzt ist. Analysten rechnen mit einem Rückgang des Gewinns vor Zinsen und Steuern auf 657 Mio. Euro (Vorjahr: 751 Mio. Euro).

Wegen der Finanzierungsprobleme fordert Lauvergeon jetzt offen, dass der staatliche Großaktionär Areva mit einer Eigenkapitalspritze unter die Arme greifen muss. „Wenn wir unser Investitionsvolumen beibehalten wollen, setzt das eine Kapitalerhöhung durch unseren Hauptaktionär voraus“, hatte Lauvergeon Anfang Februar erklärt. Der Staat ist mit 87 Prozent bestimmender Aktionär des Konzerns. Spätestens 2012 muss Areva zudem Siemens auszahlen.

Für Areva-Chefin Lauvergeon ist die Siemens-Entscheidung auch eine persönliche Niederlage, hatte sie sich doch stets für die Deutschen stark gemacht. Doch Staatschef Nicolas Sarkozy wollte partout nichts davon wissen, Siemens einen größeren Anteil an Areva zuzubilligen. Entnervt warf Siemens-Chef Peter Löscher das Handtuch. „Statt von Siemens frisches Eigenkapital zu bekommen, verwandelt sich der Partner nun in einen neuen Konkurrenten“, klagt ein Insider bei Areva.

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