Kranke Chemie-Arbeiter
Gericht stoppt Entschädigungsforderung gegen BASF

Bei der Herstellung landwirtschaftlicher Chemikalien in Brasilien sind Arbeiter erkrankt. Die Staatsanwaltschaft forderte von BASF Zahlungen, um Arztkosten zu begleichen. Das Gericht wies den Antrag zurück - vorerst.
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BrasiliaDie brasilianischen Tochtergesellschaften des deutschen Chemiekonzerns BASF und des Erdölunternehmens Shell müssen vorerst keine Entschädigung an erkrankte Arbeiter zahlen.

Ein brasilianisches Gericht wies den Antrag der Staatsanwaltschaft zurück, nachdem die Firmen sofort 500 Millionen Dollar (rund 400 Millionen Euro) in einen Fonds einzahlen sollten, um die Arztkosten der Arbeiter zu begleichen. Zunächst sei das Urteil im Berufungsverfahren abzuwarten.

Das Verfahren in der Sache wird aber fortgesetzt, die Zahl der auf Entschädigungen klagenden Arbeiter möglicherweise sogar von mehreren hundert auf eintausend erhöht.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Hunderte Angestellte einer Produktionsanlage in der Stadt Paulinia seien bei der Herstellung von landwirtschaftlichen Chemikalien erkrankt und benötigten sofortige Hilfe.

Der Streit dreht sich um eine mögliche Verseuchung der Arbeiter in dem Betrieb, der von 1974 bis 1995 im Besitz von Shell und seit 2000 im Besitz von BASF war, bevor er 2002 geschlossen wurde. Zahlreiche Arbeitskräfte klagten über Krebs- und Schilddrüsenerkrankungen.

Auch Todesfälle sollen auf die Arbeitsbedingungen zurückzuführen sein. Ein früherer Beschäftigter sagte, das Durchschnittsalter der Gestorbenen habe bei 55 Jahren gelegen. Zwei Gerichte hatten die Unternehmen bereits zu Entschädigungszahlungen verurteilt, derzeit läuft ein Berufungsverfahren.

In ihrem Jahresbericht 2011 hatte BASF bestätigt, dass die Produktionsanlage „erheblich kontaminiert“ war.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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