Krankenkosten
Autogewerkschaft „schenkt“ Ford hunderte Millionen Dollar

Die US-Autogewerkschaft ist der angeschlagenen Ford Motor Company zu Hilfe gekommen. Die Arbeitnehmer sollen sich künftig an den Krankenkosten beteiligen. Konkurrent Chrysler verhandelt noch.

HB DETROIT. Die Zugeständnisse dürften Ford in den USA jährlich 850 Mill. Dollar (708 Mill. Euro) vor Steuern einsparen. Ford selbst machte keine Angaben über die Höhe der Kostenersparnisse. Die 550 000 amerikanischen Ford-Arbeiter und Betriebsrentner sowie ihre Angehörigen müssten nach der Einigung künftig einen Teil ihrer Krankenversorgung selbst zahlen. Für 2005 werden die Kosten auf insgesamt 3,5 Mrd. Dollar geschätzt. Die Ford-Arbeiter müssen bis 22. Dezember die Vereinbarung in Urabstimmungen billigen.

Mit dem Entgegenkommen will die UAW (United Auto Worker) Ford angesichts der schwierigen Zeiten helfen, erklärte Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger am Mittwoch. Ford hatte in Nordamerika im dritten Quartal einen Vorsteuerverlust von 1,2 Mrd. Dollar verbucht.

Die rasant steigenden Gesundheitskosten waren bisher eine schwere Bürde für die US-Autohersteller. GM hatte im Oktober bereits Kürzungen in Höhe von 3 Mrd. Dollar vor Steuern jährlich bei den Krankenversicherungskosten durchgesetzt. Ford und Chrysler hatten daraufhin entsprechende Konzessionen von der UAW verlangt. Insgesamt verschlingen die Krankenversicherungskosten bei GM, Ford und der zu Daimler-Chrysler gehörenden Chrysler Group jährlich mehr als 11 Mrd. Dollar.

Auch für Chrysler ist nach Worten des designierten Daimler-Konzernchefs Dieter Zetsche eine Einigung mit der UAW in greifbare Nähe gerückt. Chrysler leidet von den drei großen US-Autobauern aber am wenigsten unter den Gesundheitsausgaben. Laut Analystenschätzungen könnte indes auch die US-Sparte von Daimler ihre jährlichen Kosten um knapp 500 Mill. Dollar senken, wenn sie mit der Gewerkschaft eine vergleichbare Einigung erzielen kann wie GM.

Die amerikanische Automobilindustrie geht derzeit durch eine ihre bisher schwersten Krisen. Sowohl GM als auch Ford sind in diesem Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor allem auf ihrem wichtigen Heimatmarkt verkaufen sie immer weniger Fahrzeuge. Ford will im Januar einen weitreichenden Sanierungsplan für Nordamerika bekannt geben. Er könnte nach bisher unbestätigten Berichten die Entlassung von 30 000 Mitarbeitern und die Schließung von bis zu 10 Auto- und Teilefabriken beinhalten. General Motors hat bereits Pläne zur Schließung von 9 Werken und die Streichung von 30 000 Stellen in Nordamerika angekündigt.

In Deutschland kommt der geplante Stellenabbau von Ford nur schleppend voran. Für den Fall, dass der Abbau nicht auf freiwilliger Basis erfolgen kann, hat das Ford-Management betriebsbedingte Kündigungen angedroht. Ford will sich von 1300 Mitarbeitern trennen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%