Kriegskasse prall gefüllt
Dr. Oetker hat Appetit auf Übernahmen

Der Bielefelder Mischkonzern will seine Einkaufstour im Nahrungsmittel-, Getränke und Reedereigeschäft fortsetzen. Die Kassen sind immerhin prall gefüllt. Noch habe man zwar keine konkreten Ziele im Auge, aber man könne bis zu einer Milliarde Euro ausgeben, erklärte Oetker.

HB FRANKFURT. „Wir bekommen für Akquisitionen eine Milliarde Euro gestemmt“, sagte August Oetker, persönlich haftender Gesellschafter des Bielefelder Unternehmens, in einem Interview der „Financial Times Deutschland“. Der Konzern besteht aus über 390 Firmen, die Nahrungsmittel wie Ristorante-Pizzen oder Getränke wie Jever Pilsener und Henkell-Sekt herstellen. Auch Schifffahrt (Hamburg Süd), Finanzdienstleistungen und Luxushotels gehören zum Geschäft.

„Es steht kein großer Deal unmittelbar bevor“, sagte jedoch Unternehmenssprecher Rolf Mühlmann am Dienstag in Bielefeld. „Es geht nicht darum, in jeder Sparte eine Milliarde Euro auf den Tisch zu legen“, fügte er hinzu. Die Schifffahrtssparte Hamburg Süd baut derzeit nach Mühlmanns Angaben die Flotte deutlich aus. „Hamburg Süd kauft fleißig“, sagte er. 16 Schiffe seien bestellt, das Geschäft habe ein Volumen von etwa einer Milliarde Euro. Ziel sei es, den Eigenanteil bei den Schiffen von derzeit 40 auf 60 Prozent zu steigern. Auch weitere Container kämen dazu. Die Sparte hatte 2005 einen Umsatzsprung um 19,1 Prozent auf 3,037 Mrd. Euro erzielt.

Zukäufe kündigte Oetker für die Brausparte an. „Wir werden kaufen und verdrängen“, sagte er der Zeitung. „Wir sind zum Beispiel noch nicht in der Region München vertreten.“ Oetker will den Anteil seiner Brausparte am schrumpfenden Inlandsmarkt von 15 auf 20 Prozent steigern. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht, betonte Mühlmann. „Da gibt es allerlei Gespräche“, sagte er.

Auf Expansion setzt der Konzern im Geschäft mit Dessert-Produkten. „Die Milchmärkte sind noch nicht verteilt. Dort gibt es noch viel Potenzial“, sagte Oetker. 2004 hatte die Gruppe den Molkereiprodukte- Hersteller Onken übernommen. „Wir möchten nicht die letzten sein, die Puddingpulver verkaufen in einer zukünftigen Welt, in der die Menschen den gekühlten Desserts den Vorzug geben“, sagte Oetker, dessen Vorfahren vor über 100 Jahren mit dem Verkauf von Backpulver den Grundstein für den Konzern gelegt hatten. Zukäufe seien in der Sparte aber nicht geplant, sagte Mühlmann.

Die Oetker-Gruppe hatte 2005 einen neuen Rekordumsatz von mehr als sieben Mrd. Euro erzielt. 43,2 Prozent der Erlöse von 7,029 Mrd. Euro stammten aus dem Reedereigeschäft der Tochter Hamburg Süd. Mit der Übernahme von Brau und Brunnen stieg Oetker außerdem zu Deutschlands größtem Bierbrauer (Radeberger, Jever) auf. Zum Konzern, der mehr als 23 000 Mitarbeiter beschäftigt, gehören auch das Bankhaus Lampe, die Condor-Versicherung, eine Chemiefabrik sowie Luxushotels. Eine weitere Säule des Familienkonzerns sind Sekt, Wein und Spirituosen. Dieser Markt wird mit Deinhard, Henkell & Söhnlein sowie Fürst von Metternich bedient. Zu den Spirituosen gehört Wodka Gorbatschow.

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