Krise beendet
Hyundai-Motor-Chef: Verurteilt, aber frei

Chung Mong Koo ist als Chef des Autoherstellers einer der mächtigsten Männer Südkoreas. Vor Gericht wurde er nun wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt - und ist frei. Nicht nur für ihn, sondern auch für den Konzern eine gute Nachricht.

HB SEOUL. Südkoreas Oberstes Gericht hat den Chef des Autoherstellers Hyundai wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt. Statt wie von der Staatsanwaltschaft gefordert sechs Jahre ins Gefängnis zu marschieren, bleibt Chung Mong Koo ein freier Mann. Für Hyundai eine Zäsur, enden mit dem Richterspruch doch zwei Jahre währende Rechtsstreitigkeiten, die das Management des Unternehmens behindert haben - und zu Verzögerungen bei Modellentwicklung und Produktion führten.

Die Richter bestätigten eine frühere Gerichtsentscheidung gegen Chung Mong Koo, deren Strafmaß wegen Verfahrensfehlern aber für ungültig erklärt wurde. "Chung hat eine große Geldsumme unterschlagen, aber es wurde vor allem für das Geschäft genutzt, nicht für persönliche Zwecke", sagte der vorsitzende Richter Kil Ki Bong in seiner Urteilsbegründung am Dienstag.

Die Entscheidung liefert neuen Zündstoff für eine in Südkorea schon länger geführte Debatte über die Macht der großen Familienunternehmen. Kritikern zufolge werden Mitglieder dieser Konglomerate von den Behörden mit Samthandschuhen angefasst. "Niemand hat erwartet, dass er ins Gefängnis geht", sagte Kim Jae Dong, Manager bei Korea Investment Trust Management mit Sitz in Seoul, zu Bloomberg. Mal ganz abgesehen davon, dass "Hyundai ein großes Unternehmen ist, dessen Schicksal nicht von einer Person abhängt."

Trotzdem kommt es Hyundai es laut Beobachtern aber zugute, dass Chung nicht hinter Gitter muss. Branchenexperten hatten eine Führungskrise beim sechstgrößten Autobauer der Welt befürchtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Chungs Rolle beim Aufbau eines Schmiergeld-Fonds zum Erkaufen politischer Vorteile bis zu sechs Jahre Haft für den Manager gefordert. Erst im April hatte Südkoreas wohl mächtigster Geschäftsmann nach einer Anklage wegen Steuerhinterziehung sein Amt als Chef des Samsung-Konzerns geräumt. Der 66-jährige Lee Kun Hee wurde nach 20 Jahren im Chefsessel des größten Konzerns Südkoreas wie ein Held verehrt.

Experten erwarteten aber, dass die Familie Lee auch nach dem Rücktritt die Fäden bei Samsung in der Hand halten würde. Die Hyundai-Aktie schloss knapp fünf Prozent tiefer in einem insgesamt schwachen südkoreanischen Markt.

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