Krisentreffen
Opel wird zur Chefsache

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Opel-Management zu einem Krisentreffen ins Kanzleramt gerufen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen bat die Kanzlerin das Management und den Betriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers für den späten Montag Nachmittag nach Berlin – offenbar allerdings mit einigen Bauchschmerzen, wie das Handelsblatt erfuhr.

FRANKFURT. An dem Krisentreffen sollen von Seiten des Unternehmens Opel-Chef Hans Demant, der Europapräsident des Mutterkonzerns General Motors, Carl-Peter Forster, sowie Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz teilnehmen. Zuvor hatte bereits Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Arbeitnehmervertreter der deutschen Autoindustrie für den Montag Abend nach Berlin geladen.

Nach und nach gibt es auch immer mehr Details über die Gespräche zwischen Bund, Ländern und Opel. Nach Informationen des Handelsblatt war das Kanzleramt offenbar vorab von der Absicht der hessischen Regierung, Opel mit einer Bürgschaft unter die Arme greifen zu wollen, unterrichtet. In der Bundesregierung sei man jedoch nicht von dem Plan der hessischen Landesregierung begeistert gewesen, hieß es. Zum einen handele es sich bei um ein ausländisches Unternehmen. Zum anderen drohe ein Subventionswettlauf, da auch andere Länder wie die USA und Frankreich die heimische Autoindustrie unterstützen wollten. Außerdem sei zu befürchten, dass entsprechende Wünsche von deutschen Autobauern an andere Bundesländer herangetragen würden, heißt es in Regierungskreisen.

Opel-Chef Demant hatte am Freitag im Interview mit dem Handelsblatt die Bitte des Autoherstellers um staatliche Bürgschaften erstmals publik gemacht. Das Opel-Management habe sich an die Bundesregierung und die Bundesländer, in denen Opel Werke besitzt (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Hessen) mit der Bitte gewandt, eine staatliche Bürgschaft zu erhalten, hatte der Opel-Chef dem Handelsblatt gesagt. Sie würde dann notwendig, wenn sich die wirtschaftliche Situation von GM verschärft, die vorübergehend auch Auswirkungen auf wesentliche Geschäftsbereiche, wie Produktprogramme und Produktentwicklung der Adam Opel GmbH haben könnte.

Franz, der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa, betonte am Samstag, Opel habe kein Liquditätsproblem. Es gehe um eine reine Vorsorgemaßnahme. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Milliarden-Forderungen von Opel an General Motors bei einer Verschärfung der Situation in den USA von GM nicht mehr bedient werden können", sagte er. Der Arbeitnehmervertreter forderte die Politik auf, die Bürgschaft an konkrete Standort-, Beschäftigungs- und Investitionszusagen zu knüpfen.

Der kriselnde Opel-Mutterkonzern GM hatte vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass dem Konzern ohne weitere Staatshilfe das Geld auszugehen drohe. Auch das GM-Europageschäft war im dritten Quartal dieses Jahres mit einem operativen Verlust von rund einer Mrd. Dollar (780 Mio. Euro) tief ins Minus gestürzt. GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster sprach von einem "brutalen Quartal". Management und Betriebsrat verhandeln bereits seit vergangener Woche über ein neues Sparprogramm, das nach internen Unterlagen die Strukturkosten um rund 750 Mio. Dollar senken soll. Der Maßnahmenkatalog, über den verhandelt wird, reicht von einer Nullrunde für die Mitarbeiter, den Wegfall von Bonuszahlungen für Manager, über die Kürzung der Reisekosten bis hin zum Zurückholen von ausgelagerten Arbeiten, um Stellen zu sichern.

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