Kritik an Preiserhöhungen
Gasversorger geraten in Erklärungsnot

Die Gaspreise sorgen wieder für Ärger: Während der Ölpreis fällt, halten die Versorger an ihren Tariferhöhungen fest. Bundeswirtschaftsminister Glos kritisiert dies scharf. Er verweist auf den gesunkenen Ölpreis, an dem sich der Gaspreis orientiert. Die Preisbildung im Gasmarkt ist aber komplex. Anworten auf die wichtigsten Fragen.

DÜSSELDORF. Deutschlands Gasversorger stehen schon wieder am Pranger: Anfang Oktober haben zahlreiche Unternehmen ihre Tarife für Privatkunden kräftig erhöht – und bis zum Jahresende werden weitere folgen. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox stehen im November und Dezember Preiserhöhungen bei über 100 Versorgern von durchschnittlich elf Prozent an. Politiker und Verbraucherschützer kritisieren das scharf. Sie verweisen auf den Ölpreis, der sich im Zuge der Finanzkrise innerhalb weniger Wochen fast halbiert hat – und an dessen Vorgaben sich der Gaspreis nach Darstellung der Branche orientiert. Die Preisbildung im Gasmarkt ist aber komplex.

Ist der Gaspreis tatsächlich vom Ölpreis abhängig?

Grundsätzlich ja. Traditionell werden in die Verträge, welche die großen Produzenten in Russland oder Norwegen mit ihren Importeuren schließen, Preisformeln eingebaut, die sich an der Entwicklung des Ölpreises orientieren. Und rund 60 Prozent des Gaspreises, den Verbraucher bezahlen, entfällt auf die Beschaffung in den Produzentenländern. Nur der Rest – die Kosten für den Transport durch die deutschen Netze und die Verwaltung, Abgaben und Steuern sowie die Marge des Versorgers – hängen nicht von der Entwicklung am Ölmarkt ab.

Warum gilt die Ölpreisbindung?

Als vor 30, 40 Jahren die ersten Pipelines für den Export von Russland nach Deutschland verlegt wurden, wollten die Partner einen verlässlichen, planbaren Mechanismus, um den Marktwert des Gases abzubilden. Da es für Gas keinen liquiden Markt gab, wählten sie die Anbindung an das Konkurrenzprodukt Heizöl. Und noch immer bestehen die Produzenten auf das System.

Und wie funktioniert der Mechanismus?

Die Vorgaben des Ölpreises werden im Großhandel geglättet und mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Gaspreise übertragen. Am häufigsten wird die 6-3-3-Formel verwendet. Das heißt: Zu Grunde liegt die durchschnittliche Entwicklung des Ölpreises über einen Zeitraum von einem halben Jahr, der errechnete Preis wird mit einer Verzögerung von drei Monaten angewandt und ist für drei Monate gültig. Der Preis, den ein Importeur zum ersten Januar bezahlt, würde sich nach dieser Formel am durchschnittlichen Ölpreis des zweiten und dritten Quartals orientieren.

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