Kritik an Veruntreuung
Undurchsichtige Geschäfte bei Gazprom

Das undurchsichtige Abkommen des russischen Gasgiganten Gazprom mit der Ukraine ruft vermehrt Kritiker auf den Plan, die sich an der Unternehmensführung bei Gazprom stören. Der weltgrößte Erdgasförderer, dessen Aktien seit dieser Woche auch für Ausländer voll zugänglich sind, gilt immer noch als Hort der Misswirtschaft.

MOSKAU. Bei Ausschreibungen soll massiv zu Gunsten von Managern betrogen werden, berichten Analysten. Gazprom war dazu nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Nach Angaben des Research-Chefs des Russland-Fonds Hermitage Capital, Wadim Klejner, werden die Veruntreuungen dadurch begünstigt, dass Gazprom kein detailliertes Budget habe. Von den 30 Mrd. Dollar operationellen Ausgaben hat der Konzern 2004 rund 19 Mrd. als „Überweisungen an Tochterfirmen“ und weitere zwei Mrd. als „sonstige Ausgaben“ deklariert.

Im Fokus der aktuellen Kritik steht das Zwischenhandelsunternehmen Rosukrenergo, über das Gazprom nun die Gaslieferungen in die Ukraine abwickelt. Allein im Jahr 2004 hat Gazprom durch den Einsatz von Rosukrenergo nach Berechnungen des russischen Zollkomitees 478 Mill. Dollar Mindereinnahmen beim Verkauf turkmenischen Erdgases in die Ukraine erlitten. Jetzt soll nach dem Kompromiss Gazproms mit Kiew die gesamte Gasmenge für die Ukraine aus Russland und Turkmenistan über die dubiose Firma zu 95 Dollar je 1000 Kubikmeter verkauft werden. Klejner verlangt, dass Gazprom keine weiteren Geschäfte über Zwischenhändler wie Rosukrenergo abwickeln darf.

Rosukrenergo ist nach Gazprom-Informationen ein im Schweizer Steuerparadies Zug registriertes Gemeinschaftsunternehmen der Gazprombank und der österreichischen Raiffeisen Investment AG. Der Druck auf die Firma steigt nicht nur durch ihre Rolle im Ukraine-Geschäft: Der ukrainische Geheimdienst SBU hat im Sommer bereits Ermittlungen gegen Rosukrenergo aufgenommen. Deshalb räumt Raiffeisen Investment-Vorstand Wolfgang Putsek jetzt ein, dass seine Bank den 50-Prozent-Anteil an Rosukrenergo „nur als nomineller Aktionär" halte. Dahinter stecke „eine Gruppe internationaler Investoren mit Erdgas-Knowhow“.

Nähere Angaben zu den Anteilseignern verweigert die Bank indes. Geheimdienstkreise vermuten unter anderen den ehemaligen Gazprom-Chef, Ex-Premier und jetzigen russischen Botschafter in Kiew, Wiktor Tschernomyrdin, dahinter. US-Ermittler haben Tschernomyrdin auf ein Privatvermögen von fünf Mrd. Dollar geschätzt. Er weist dies zurück.

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