KTM, Voestalpine, RBI
Österreichs Konzerne schieben großen Frust

Unternehmen haben genug von immer neuen Gesetzen und einer barocken Bürokratie in Österreich. Angesichts der wirtschaftlichen Stagnation fordern sie eine sofortige Umkehr – ansonsten drohe der Verlust von Arbeitsplätzen.

WienÜber seine schwerreichen Kunden spricht Bernhard Ramsauer eigentlich nicht. Doch die Sorge um den Wirtschaftsstandort Österreich treibt den Vorstandschef der Privatbank Semper Constantia um. Seit drei Jahren würden seine Kunden immer öfter fragen, ob und wie sie ihr Vermögen außerhalb der Alpenrepublik transferieren können. Ein Novum für den erfahrenen Banker, der auf Vermögensberatung spezialisiert ist. Der zurückhaltende Manager redet von „Reichen-Bashing“. Er spricht offen aus, was viele Unternehmer denken. „Eine generelle Kampagne gegen ‚die Reichen‘ kann zu einer Abwanderung von Stiftungen oder Unternehmen und damit zu einer massiven Schwächung des Standorts führen.“

Der österreichische Industrielle und Investor des Öltechnologieunternehmens Schoeller-Bleckmann, Norbert Zimmermann, bekannte in Wien offen: „Bei mir ist die Stimmung noch nie so unten gewesen wie heute.“

Angesichts des Reformunwillens schlagen immer mehr Konzerne und Banken Alarm. Denn Österreich hängt konjunkturell in den Seilen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Alpenlandes stagniert trotz des Booms in Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner Österreichs. Im zweiten Quartal legte das BIP nach Angaben des Wiener Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo nur um 0,3 Prozent zu. Im Vorjahresquartal waren es sogar lediglich 0,2 Prozent. Eine Hoffnung auf eine schnelle Erholung gibt es nicht.

Die österreichischen Unternehmen sind angesichts der wenig wirtschaftsfreundlichen Gesetzgebung und Verwaltung massiv frustriert. Als größtes Hindernis wird von den Konzernen der barocke Beamtenapparat in dem Alpenland ausgemacht. „Es gibt eine überbordende Bürokratie. Das ist für kleine und mittlere Unternehmen kaum noch zu bewältigen“, schimpft Stephan Pierer, Vorstandschef und Mehrheitsaktionär des österreichischen Motorradherstellers KTM. Er fürchtet eine weitere Abwanderung von jungen Spitzenkräften. „Die echten High-Potentials verlassen unser Land“, sagte der Unternehmer frustriert.

KTM ist mit seiner massiven Kritik an immer komplizierteren Auflagen und Gesetzen nicht allein. „Wir haben eine brutale Überregulierung“, kritisiert auch Karl-Heinz Strauss, CEO und Großaktionär des Baukonzerns Porr, der in den Deutschland stark engagiert ist. Der Bauunternehmer warnt: „Wir leben von der Vergangenheit.“ Mit Blick auf Deutschland sagt Strauss: „Die Stimmung für Unternehmen dort ist zehn Mal besser als in Österreich.“

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Viele Unternehmen bewegen sich in einer Grauzone

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