Kunststoff-Hersteller
Schlammschlacht um Balda

Ständige Vorstandswechsel, einbrechende Kurse: Bei der Balda AG ist die Suche nach einem Schuldigen in vollem Gang. Nun sprechen Beteiligte von Denunzierung.
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Bad OeynhausenWenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Balda AG verschärft sich erheblich der Ton. Aktionäre und Aufsichtsrat beschuldigen sich gegenseitig der Irreführung, nun reagiert auch der Mann, der eigentlich gar nichts mehr sagen darf: der Ende Dezember ausgeschiedene Vorstandschef Rainer Mohr. „Ich habe zwar eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnet“, sagt Mohr auf Anfrage des Handelsblattes. „Das bedeutet aber nicht, dass ich mich vom Aufsichtsrat beleidigen lassen muss.“

Mohr wehrt sich gegen den Vorwurf des Aufsichtsrates, er habe den Verkauf des größten Vermögenswertes von Balda vermasselt – dem Aktienpaket an der taiwanesischen Technologie-Firma TPK. Die Auskünfte des früheren Managements hätten „nicht in allen Einzelheiten der Wahrheit entsprochen“, heißt es in einem Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Naschke an die Aktionäre. Die Pläne des Vorstands hätten „undurchführbare Umsetzungsdetails“ enthalten.

Mohr, bis Dezember 2011 Alleinvorstand von Balda, weist diese Vorwürfe scharf zurück. „Zum Verkauf des Balda-Aktienpakets von TPK habe ich weder die Unwahrheit gesagt noch irreführende Angaben gemacht. Dem Aufsichtsrat habe ich am 14. Juli 2011 Optionen und am 11. August 2011 eine weitere Option als Beschlussvorschläge zum Verkauf der TPK-Aktien unterbreitet“, sagt der Ex-Balda-Chef. Die Anträge seien unter Begleitung dreier namhafter Investmentbanken zustande gekommen und formell vollkommen in Ordnung gewesen. „Ich bin sehr verwundert, dass der Balda-Aufsichtsrat diesen Kurs der Denunzierung des Vorstandes eingeschlagen hat“, sagt Mohr. „Eigentlich sollte er die Aktionäre wahrheitsgemäß informieren.“

Zur konkreten Begründung, warum der Aufsichtsrat den Verkauf ausschlug, wollte sich Mohr aus Vertraulichkeitsgründen nicht äußern. Fest steht, dass sich der Kurs der TPK-Aktie seit dem Veto des Aufsichtsrates fast halbiert hat. Balda-Aktionäre sprechen von einem Schaden von 350 Millionen Euro und wollen am Mittwoch auf der Hauptversammlung den Aufsichtsrat abwählen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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