Kunststoff-Spezialist
Gerresheimer steht kurz vor großem Zukauf

Die Düsseldorfer Gerresheimer Group beabsichtigt, bis Anfang Januar 2007 den Kunststoff-Spezialisten Wilden zu übernehmen. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, sind die Verhandlungen weit fortgeschritten.

DÜSSELDORF. Mit der Übernahme des bayerischen Kunststoff-Spezialisten Wilden würde sich die Düsseldorfer Gerresheimer Group, ein international führender Hersteller von Glasverpackungen für die Pharma- und die Kosmetikindustrie, für die im nächsten Jahr geplante Rückkehr an die Börse rüsten. Bereits Anfang Dezember informierte die Geschäftsleitung von Wilden die Mitarbeiter über den bevorstehenden Verkauf. Zuvor hatte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss freigegeben. Gerresheimer lehnte eine Stellungnahme ab.

Das mehr als 150 Jahre alte Traditionsunternehmen Gerresheimer hat in jüngster Zeit mehrere Eigentümerwechsel erlebt. Im Jahr 2000 verkaufte der damalige Eigentümer, der Mischkonzern Viag, seine Tochter an die US-Investmentgesellschaften Investcorp und JP Morgan. Diese wiederum bliesen den zunächst im Jahr 2004 geplanten Börsengang ab und reichten die Aktien an den US-Finanzinvestor Blackstone weiter.

Die Übernahme ist die bisher größte Akquisition von Gerresheimer. Mit ihr gelänge Vorstandschef Axel Herberg der schon länger geplante Einstieg in das Kunststoffgeschäft. Wilden mit Sitz in Regensburg und weltweit fast 2 300 Mitarbeitern zählt mit einem Umsatz von 240 Mill. Euro in diesem Jahr nach eigenen Angaben zu den führenden europäischen Anbietern für hochwertige Kunststoffsysteme für verschiedene Industriebranchen.

Das hoch profitable Unternehmen mit aktuellen Wachstumsraten von 20 Prozent gehört je zur Hälfte den beiden Vorstandsmitgliedern Bert Wilden und Hans Wilden. Nach Ansicht von Branchenkennern ergänzen sich die Produktpaletten beider Unternehmen gut.

Mit der Übernahme von Wilden würde Gerresheimer-Chef Herberg sehr nahe an das mittelfristige Umsatzziel von einer Mrd. Euro kommen. In diesem Jahr wird der Umsatz voraussichtlich um 19 Prozent auf 650 Mill. Euro wachsen. Vier Fünftel der Verkaufserlöse entfallen auf das Ausland. Gerresheimer, das bis in die neunziger Jahre margenschwache Massenware wie Bier- und Weinflaschen produzierte, konzentriert sich nach einer tiefgreifenden Umstrukturierung und dem Zukauf diverser Spezialglashersteller überwiegend auf renditestarke Produkte. Die Ebitda-Marge liegt heute bei 18 Prozent.

Billig wird die Übernahme von Wilden offenbar nicht. Im jüngsten Quartalsbericht (per Ende August) kündigt Gerresheimer an, „im Zuge bevorstehender Zukäufe“ den Kreditrahmen bei den Banken um weitere 300 Mill. Euro auszuschöpfen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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