Kuriose Rochade
Großaktionär macht Banker zum Kuka-Vorstand

Sieben Tage noch, und der Roboterhersteller Kuka hätte ohne Vorstände dagestanden. Da auf die Schnelle kein geeigneter Kandidat gefunden wurde, will der Großaktionär Grenzebach jetzt kurzerhand seinen Investmentbanker in den Kuka-Vorstand schicken. Kuriose Folge: Im Aufsichtsrat übernimmt die IG Metall die Führung.

AUGSBURG. Beim Augsburger Roboterhersteller Kuka übernimmt der Großaktionär Grenzebach die operative Führung. Till Reuter, der Banker, der Grenzebach berät, soll auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag zum Vorstandsvorsitzenden gewählt werden. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Neuer Finanzvorstand soll Stephan Schulak werden, der das Unternehmen vor kurzem im Streit mit dem alten Vorstand verließ. Kuka und Grenzebach wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Die Berufung von Reuter führt zu einer kuriosen Konstellation. Wenn Reuter in den Vorstand wechselt, muss er sein Amt als Aufsichtsratschef ruhen lassen. Im Kontrollgremium rückt dann für ihn sein Stellvertreter nach. Dadurch gebe es bei Kuka die außergewöhnliche Situation, dass mit Jürgen Kerner ein Sekretär der IG Metall dem Kontrollgremium eines Milliardenkonzerns vorsteht.

Dies gilt aber intern nicht als Problem, weil Kapitalseite und Arbeitnehmer bei Kuka derzeit eng zusammenarbeiten. Es sei sogar der Wunsch der Belegschaft gewesen, dass kein Interimsmanager die Führung übernimmt, sondern Reuter, sagen mehrere Beteiligte. Dies sei ein Zeichen nach innen und außen, dass diejenigen, die am meisten zu verlieren haben, auch selbst Verantwortung übernehmen. Kuka schreibt derzeit hohe Verluste, Grenzebach hält knapp 30 Prozent der Aktien.

Wichtigste Aufgabe von Reuter und dem neuen Finanzvorstand Schulak sind die Verhandlungen mit den Banken. Kuka hat kürzlich seine Kreditverhandlungen gebrochen und braucht eine neue Finanzierung. Die Verzögerung bei diesen Verhandlungen waren einer der Gründe für das Zerwürfnis zwischen dem Großaktionär Grenzebach und den noch amtierenden Vorständen Horst Kayser (Vorsitz) und Matthias Rapp (Finanzen). Beide hatten zum Monatsende ihren Rücktritt erklärt, nachdem Grenzebach zuvor mit einer außerordentlichen Hauptversammlung und einer öffentlichen Demontage gedroht hatte. Im Zuge des Streits verließen auch vier Aufsichtsräte das Unternehmen.

Reuter soll nun so lange im Vorstand bleiben, bis ein langfristiger Nachfolger für den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Kuka. gefunden ist. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit mehreren hochklassigen Kandidaten, wie es aus dem Unternehmen heißt. Aktienrechtlich kann ein Aufsichtsrat bis zu ein Jahr in den Vorstand entsandt werden, sagt Stephan Heinemann, Partner bei der Kanzlei Taylor Wessing.

Kuka machte 2008 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und beschäftigt mehr als 6000 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr 2009 schrieb das Unternehmen ein operatives Minus von 23 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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