Lantus und die Folgen
Sanofi ordnet Forschung neu

Die Unsicherheit um das Diabetesmittel Lantus könnte den Pharmakonzern Sanofi-Aventis vor enorme Probleme stellen: Bricht der Umsatz mit Lantus ein, bleiben dem Konzern nur noch wenige patentgeschütze Erfolgsgaranten. Eine umstrukturierte Forschungsabteilung soll nun neue Topprodukte entwickeln.

FRANKFURT. Der neue Chef von Sanofi-Aventis, Chris Viehbacher, steht unter wachsendem Druck, den zweitgrößten Arzneimittelhersteller der Welt neu auszurichten. Denn die kritische Diskussion um das Diabetesmittel Lantus, dessen Einnahme einer neuen Studie zufolge das Krebsrisiko erhöhen könnte, verstärkt bei dem Pharmakonzern die Gefahr einer Umsatz-Erosion in den nächsten Jahren.

Gestern verkündete der Konzern erste konkrete Schritte für die im Februar angekündigte Reorganisation von Forschung und Entwicklung. Ähnlich wie etliche Konkurrenten setzt Sanofi auf flexiblere Strukturen und kleinere „unternehmerische Einheiten“, um die Medikamenten-Entwicklung zu beschleunigen. Rund 500 Arbeitsplätze im Großraum Paris sollen wegfallen, in Frankfurt sind keine größeren Einschnitte geplant.

Darüber hinaus will man sich von Forschungseinheiten in Großbritannien, Japan und den USA trennen. Sein F+E-Budget von 4,6 Mrd. Euro will der Konzern beibehalten. Gleichzeitig will Sanofi aber die Kooperationen mit externen Forschungs-Institutionen und Biotechfirmen verstärken. Bis 2013 soll der Konzern über die effizienteste F+E-Organisation der Branche verfügen.

Die Zukunft sieht Viehbacher dabei vor allem in Biotech-Produkten, wie er gestern beim Spatenstich für eine neue Zellkulturanlage im Werk Frankfurt verkündete. Die Anlage soll ab 2011 therapeutische Proteine für klinische Versuche produzieren.

Mit der Neuordnung und dem forcierten Biotech-Engagement reagiert Sanofi auf die enttäuschende Forschungs-Performance in den letzten Jahren. Die drohende Delle im operativen Geschäft indes dürfte Viehbacher allein mit diesen Initiativen kaum vermeiden können. Vor allem was Biotech-Produkte betrifft, liegt der Konzern deutlich hinter Konkurrenten wie Roche oder Pfizer zurück.

Der Pharmariese, der 2004 aus der Fusion von Sanofi und Aventis entstand, muss bis 2012 den Patentablauf von vier seiner zehn umsatzstärksten Produkte verkraften. Besonders schmerzlich dürfte ihn dabei die Generikakonkurrenz für den Blutverdünner Plavix und das Herzmittel Aprovel treffen. Denn dank üppiger Lizenzerlöse vom US-Vertriebspartner Bristol-Myers liefern diese beiden Produkte bisher noch besonders hohe Ergebnisbeiträge, die ab 2011 massiv einbrechen dürften.

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