Lastwagen
Lastwagen in der Krise: Cargobull streicht Jobs

Der Markt für Lastwagen ist im Keller. Das bekommt der Zulieferer Schmitz Cargobull seit Monaten bitter zu spüren. Jetzt muss das Unternehmen sogar in der Stammbelegschaft Stellen streichen. Und Cargobull ist nicht alleine. Die gesamte Branche ächzt - und produziert 60 Prozent weniger als im Vorjahr.

HB HORSTMAR. Der große Fahrzeug-Zulieferer Schmitz Cargobull leidet immer dramatischer unter dem Zusammenbruch des Lastwagenmarkts. Die Firma kann einen Abbau in der Stammbelegschaft nach eigenen Angaben nicht länger hinauszögern. "Wir haben diesen Schritt über die Sommermonate verzögert. Aber es ist keine Wende zu erkennen", sagte Unternehmenssprecher Gerd Rohrsen am Montag nach einer Betriebsversammlung beim Werk Altenberge bei Münster. 411 Stellen der Stammbelegschaft will Deutschlands größter Hersteller von Sattelaufliegern abbauen. Betroffen sind Altenberge und der Stammsitz Horstmar. Bundesweit hat die Schmitz Cargobull AG 4000 Mitarbeiter.

"Der Auftragseingang ist nach wie vor deutlich unter den Erwartungen und lag in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres 2009/2010 nochmals unter den gegenüber dem Vorjahr reduzierten Planwerten", hieß es. Das Unternehmen sprach von einem "nochmaligen massiven Rückgang des Umsatzes". In der Sattelauflieger- Branche sank im ersten Kalenderhalbjahr die Inlandsproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 90 Prozent, wie Schmitz Cargobull unter Berufung auf Fachverbandszahlen erläuterte. Ziel sei es, bis Ende November eine tragfähige Einigung mit den Betriebsräten zu finden.

Die Talfahrt der Lkw-Branche hat sich angesichts der weltweit schwachen Konjunktur im August fortgesetzt. Die deutschen Neuzulassungen sanken nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) vom Montag im vergangenen Monat um ein Drittel auf 17 520 Einheiten.

Allerdings deuten die Auftragseingänge aus dem Inland bereits darauf hin, dass das Tal zumindest bald erreicht sein dürfte. Im August zogen die Inlandsorders für schwerer Lastwagen um zwei Prozent an. VDA-Präsident Matthias Wissmann warnte davor gleichwohl, dies bereits als Beginn einer Erholung zu werten.

Die Auslandsmärkte blieben im vergangenen Monat schwach. Insgesamt 10 730 Lastwagen, Transporter und Busse exportierten die deutschen Hersteller, 59 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Seit Januar sanken die Ausfuhren damit um 64 Prozent.

Angesichts der schwachen Absatzzahlen drosselten die Hersteller ihre Produktion weiter. Mit gut 16 000 rollten im August 60 Prozent weniger Fahrzeuge von den Produktionsbändern als vor einem Jahr. Während die Pkw-Hersteller wegen der Abwrackprämie vorübergehend aufatmen konnten, profitieren die Nutzfahrzeughersteller nur bei Kleintransportern von der staatlichen Stützaktion. Inzwischen ist der staatliche Fördertopf für die Abwrackprämie bis auf eine Warteliste jedoch ausgeschöpft. Experten gehen daher davon aus, dass die Pkw-Neuzulassungen im nächsten Jahr wieder sinkenden werden.

Schmitz Cargobull hatte sich bereits von seinen Leiharbeitern getrennt und 350 Zeitverträge nicht verlängert. Das Werk in Vreden bleibe wegen verhältnismäßig guter Auslastung vorerst von Streichungen verschont, hieß es. Dort soll Kurzarbeit dem Unternehmen Luft verschaffen. Prognosen für das Werk in Gotha (Thüringen) seien zurzeit schwierig. Dort habe es aber bereits einen großen Abbau gegeben, sagte der Sprecher. "Diese Maßnahmen dienen zur zukünftigen Sicherung der wirtschaftlichen Substanz, da das Ende der Krise und eine Wiederbelebung des Trailermarktes derzeit nicht erkennbar sind."

Die Gewerkschaft IG Metall sprach von einer "großen Katastrophe für die betroffenen Menschen und die ganze Region". Vertreter Heinz Pfeffer sagte: Natürlich sehen wir den dramatischen Auftragseinbruch insbesondere hier am Standort Altenberge. Dennoch kämpfen wir gemeinsam mit dem Betriebsrat darum, die Kündigungen so weit es geht hinauszuschieben." Kurzarbeit sei dafür ein geeignetes Instrument.

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