Lexus-Produktion
Toyota verschiebt Werkbau in China um Jahre

Nissan, Jaguar, General Motors: Die Liste der Hersteller, die auch Werke in China betreiben, ist lang. Doch der günstige Yen hält Toyota mit seiner Luxusmarke Lexus noch in Japan. Auch andere produzieren lieber daheim.
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Peking/HamburgDer Dämpfer auf dem chinesischen Automarkt bringt die Pläne von Weltmarktführer Toyota durcheinander. Der Bau einer Fabrik für die Luxusmarke Lexus werde wegen des langsameren Wachstums in der Volksrepublik wahrscheinlich um einige Jahre verschoben, sagten zwei Manager des japanischen Konzerns der Nachrichtenagentur Reuters. Die Marke wolle auch erst in China bekannter werden. Zudem mache der anhaltend schwache Yen gegenwärtig die Fertigung in Japan attraktiv. Ein weiterer Grund sei der Zwang, in China ein Gemeinschaftsunternehmen mit einer einheimischen Firma aufzubauen.

„Es gibt keinen Zweifel, dass wir irgendwann dort Lexus bauen“, sagte einer der Insider zu Toyotas China-Strategie. „Aber wir müssen noch ein paar Dinge erledigen, bevor wir loslegen.“ Die Entscheidung von Toyota lässt angesichts der jüngsten Turbulenzen auf dem weltgrößten Pkw-Markt aufhorchen. Experten gehen allerdings davon aus, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt. Er kenne niemanden, der Investitionen stoppen und abwarten wolle, wie sich China weiter entwickele, sagte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. „China wird weltweit der bedeutsamste Wachstumsmarkt bleiben.“

Auto-Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI verwies auf den großen Nachholbedarf bei der Pkw-Nachfrage im Reich der Mitte: 16 Prozent der dortigen Haushalte beabsichtigten, sich in den kommenden drei Monaten ein Auto zu kaufen. Hinzu komme das Wachstumspotenzial im Westen des Riesenreichs, das von den Autobauern noch weitgehend unerschlossen sei. „Der massive Ausbau der Infrastruktur wird die Nachfrage nach individueller Mobilität weiter antreiben“, so Ellinghorst.

Volkswagen – der Marktführer in China – hält deshalb an den Plänen für zwei weitere Werke fest. „Die beiden geplanten Standorte Tianjin und Tsingdao werden nicht infrage gestellt“, sagte ein Konzernsprecher.

Toyota verkauft den Lexus seit 2005 in China. Dabei liegen die Japaner allerdings in dem Luxus-Segment deutlich hinter deutschen Marken wie der VW-Tochter Audi oder BMW. Während Nissan, Jaguar und General Motors (GM) ihren entsprechenden Töchtern eigene Werke in China spendieren, wird den Insidern zufolge seit Anfang des Jahres bei Toyota eine Entscheidung angestrebt. Die Investitionssumme könne einen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Allerdings hat das Wachstum in China in der ersten Jahreshälfte deutlich nachgelassen. Im Juni war der Pkw-Absatz sogar erstmals seit Jahren geschrumpft. Die Gewinne drohen nicht mehr so zu sprudeln wie in den zurückliegenden Boomjahren, weil die Autobauer sich das Leben durch eine Rabattschlacht selbst schwermachen. Vor allem die drei deutschen Oberklasse-Anbieter Audi, BMW und Mercedes-Benz müssen sich nach Meinung von Experten auf schwierigere Zeiten einstellen. Nach dem Kursrutsch an den Börsen fehlt vielen Chinesen das Geld für teure Anschaffungen.

Das Geschäft könnten nun verstärkt Massen-Hersteller machen, die ihre Autos günstiger anbieten. Volumenmarken wie GM haben bereits reagiert und ihre Preise gesenkt. Gleichzeitig steigt der Marktanteil von heimischen Autobauern wie Great Wall, die bislang im Schatten westlicher Hersteller standen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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