Liberalisierung
Europa öffnet sich für schnelle Züge

Ab kommenden Jahr herrscht in Europa auch auf der Schiene der freie Wettbewerb. Die großen Staatsbahnen scheuen den Hochgeschwindigkeits-Wettbewerb und setzen darum auf Koordination statt Konfrontation. Experten rechnen dennoch mit einem Ausbau des Streckennetzes und besserer Servicequalität.

BERLIN. Auf der heute in Berlin beginnenden Internationalen Tourismusbörse präsentiert sich die Deutsche Bahn (DB) nostalgisch: Im Messe-Freigelände hat sie den über 40 Jahre alten Trans-Europa-Express „Rheingold“ aufgestellt. Er war einer der ersten, die international mit Tempo 200 über die Schienen rollten. Mit den noch schnelleren Nachfolgern wie dem ICE und Frankreichs TGV fahren Europas Bahnen vom nächsten Jahr an in den Wettbewerb. Neben den etablierten Noch-Staatsbahnen werden auch Newcomer antreten, und selbst Fluggesellschaften haben Interesse an schnellen Schienen.

Nach der Marktöffnung beim Schienennahverkehr und dem Güterverkehr schon vor Jahren ist die Liberalisierung des Fernverkehrs die letzte Stufe im Bahn-Liberalisierungsprogramm der EU. Mireille Faugère, Fernverkehrschefin der französischen Bahn SNCF, verdeutlicht gegenüber dem Handelsblatt die Dimensionen: Europaweit gebe es heute bereits 5 000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken, bis 2020 rechnen die Bahnen mit einer Verdopplung. „Bislang denkt jede Bahn im Hochgeschwindigkeitsverkehr nur national. Künftig wollen wir das schnell wachsende europäische Netz unseren Kunden über die Grenzen hinweg erschließen“, sagt Faugère.

Angesichts der hohen Kosten für schnelle Züge denken weder die Franzosen noch ihre deutschen Wettbewerber dabei unbedingt an knallharte Konkurrenz. Karl-Friedrich Rausch, DB-Personenverkehrsvorstand, verweist auf die Zusammenarbeit mit SNCF bei den erfolgreichen ICE-TGV-Angeboten unter dem Markennamen Alleo zwischen Paris, Frankfurt und Stuttgart: „Wir sind dabei, uns die wichtigen Zielmärkte anzuschauen. Erfolgreiche und wettbewerbsfähig aufgestellte Kooperationen werden aber auch in Zukunft weiter eine bedeutende Rolle für uns spielen.“

Bestes Beispiel: Die Anfang des Jahres von DB bestellten 15 ICE-Mehrsystemzüge wollen die Deutschen bevorzugt von Frankfurt aus Richtung Südfrankreich einsetzen. „Für einen echten Wettbewerb ist dieser Markt zu klein“, sagt Faugère. „Ich hoffe, wir werden eine Lösung finden wie für Alleo.“ Rausch bestätigt, in den Kooperationsgesprächen seien die Partner „gut unterwegs“.

Wie man nach der Marktöffnung auch anders unterwegs sein kann, zeigen die Franzosen in Italien. Dort ist SNCF mit 20 Prozent in die Betreibergesellschaft NTV eingetreten, die mit dem TGV-Nachfolger AGV gegen die italienische Staatsbahn Trenitalia im direkten Wettbewerb fahren will. SNCF bringe nicht nur Betreiber-Know-how ein, sondern habe auch eine echte Kapitalbeteiligung geleistet, betont Faugère.

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