Lkw-Bauer
MAN schraubt seine Produktion zurück

Auf Europas Höfen stehen immer noch zu viele unverkaufte Laster. Der Lkw-Bauer MAN schraubt deswegen seine Fertigung herunter. Um bis zu zehn Prozent soll sie sinken. Auch das Personal ist betroffen.
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MünchenWegen der sich ausweitenden Krise in Europa tritt der Lkw-Bauer MAN bei der Fertigung auf die Bremse. "Ganz klar nehmen wir die Produktion zurück", sagte Finanzchef Frank Lutz am Dienstag in München. Fünf bis zehn Prozent weniger Nutzfahrzeuge werde der Konzern aufs Jahr gerechnet in Europa herstellen. "Wir wollen den Hofbestand reduzieren." In den europäischen Werken gebe es Sommerferien und zudem Ein-Schicht-Betrieb. Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen ergänzte, es herrsche Einstellungsstopp. Zudem sinke die Zahl der Leiharbeiter - in der Nutzfahrzeugsparte bereits um die Hälfte. Diese Maßnahmen helfen nach seinen Worten, die Kosten zu senken. "Kurzarbeit ist derzeit nicht geplant, ich kann sie aber nicht ausschließen."

In Folge der Schuldenkrise und der wachsenden Verunsicherung ist der europäische Nutzfahrzeugmarkt seit Monaten auf Talfahrt. Für das Gesamtjahr 2012 wird ein Rückgang von fünf bis zehn Prozent erwartet. MAN mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent ist davon stark betroffen. Zudem können die Münchner - anders als der größere Konkurrent Daimler - Rückgänge in Europa nicht im noch immer florierenden US-Markt ausgleichen. Auch der bisherige Boom in Brasilien ging abrupt zu Ende, nachdem dort die Abgasvorschriften drastisch verschärft wurden und sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert.

In dem lateinamerikanischen Land, wo MAN führend im Lkw-Geschäft ist, belaufe sich der Hofbestand auf rund 8000 Laster, sagte Lutz. Das sind nach dem Geschmack des MAN-Finanzchefs rund 3000 zu viel. In Brasilien habe es deshalb 14 Tage Produktionsstopp gegeben. Dort rechnet MAN erst 2013 wieder mit größeren Investitionen in neue Lastwagen und Busse, weil Großereignisse wie Fußball-Weltmeisterschaft und Olympische Spiele anstehen.

In Europa hat MAN eigenen Angaben zufolge rund 9000 unverkaufte Laster auf dem Hof stehen. Dies seien zwar etwa 1000 weniger als noch vor Jahresfrist, sagte Lutz. "Das ist aus unserer Sicht immer noch zu hoch." Vorstandschef Pachta-Reyhofen führte aus, die Märkte in Südeuropa seien teilweise um 20 bis 40 Prozent eingebrochen. "Ich hoffe nicht, dass es hier noch schlechter kommen wird." Auf die Frage, ob sich der Preisdruck in der zweiten Jahreshälfte verstärken wird, antwortete er: "Der Druck ist heute groß."

MAN hatte zuletzt die Rückgänge in Mittel- und Südeuropa teilweise in Russland und Regionen außerhalb Europas ausgleichen können. Allerdings sind dort die Margen deutlich niedriger. In der Folge sank die operative Rendite in der Sparte Truck & Bus, in der das Lkw-Geschäft in Europa gebündelt ist, im zweiten Quartal auf 0,6 Prozent. Gemeinsam mit dem Geschäft in Lateinamerika kam MAN auf 2,2 Prozent. Damit lagen die Münchner weit hinter der Konkurrenz: Der ungeliebte schwedische Rivale Scania, der ebenfalls wie MAN zum VW -Konzern gehört, wies für das zweite Quartal eine operative Marge von 10,1 Prozent aus. Bei Volvo waren es 8,0 Prozent im Lkw-Geschäft, bei Daimlers Trucksparte 6,4 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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