Luftabwehrraketen in Verkehrsflugzeugen sind teuer und nicht effektiv
Raketenabwehr wird zum Rohrkrepierer

Amerikanische Politiker fordern Raketenabwehrsysteme für Passagiermaschinen, wie sie auch beim Militär genutzt werden. Nachdem kürzlich dem FBI ein Waffenschmuggler ins Netz ging, der eine russische Boden-Luft-Rakete an Terroristen verkaufen wollte, erreicht die Diskussion um die Sicherheit der kommerziellen Luftfahrt einen neuen Höhepunkt.

aug NEW YORK. Die US-Regierung vermutet auf dem internationalen Schwarzmarkt Hunderte, wenn nicht Tausende solcher Flugabwehrraketen vor allem russischer Bauart. Ältere Typen sollen bereits für wenige tausend Dollar gehandelt werden.

Angestoßen hat die Diskussion eine Gesetzesinitiative von Senator Chuck Schumer. Er fordert, dass das US-Verkehrsministerium die rund 6 800 amerikanischen Passagierflugzeuge mit einem Raketenabwehrsystem für bis zu 2 Mill. $ pro Stück ausstattet. Dadurch entstehen dem Steuerzahler Kosten von rund 10 Mrd. $ – relativ wenig angesichts der Gefahr, sagt der Politiker. Der New Yorker Senator hatte die Gesetzesinitiative mit anderen Demokraten vor einem halben Jahr eingebracht. Im November 2002 verfehlten zwei Raketen ein israelisches Passagierflugzeug beim Start im kenianischen Mombasa nur knapp. Gerade startende Passagierflugzeuge, so die damalige Erkenntnis, geben ein leichtes Ziel für Terroristen ab.

Schumers Initiative könnte die angeschlagenen US-Airlines in den Ruin treiben. Sie sieht zwar vor, dass die Waffen vom Verkehrsministerium gekauft werden. Für Installation und Wartung seien aber die Fluggesellschaften verantwortlich. Eine Nachrüstung der Maschinen würde die Flotten für Monate aus dem Verkehr ziehen. Durch das zusätzliche Gewicht und die veränderte Aerodynamik würden die Maschinen zudem mehr Kraftstoff verbrauchen. Weder United Airlines noch American oder Continental wollten sich zu den möglichen Kosten äußern.

Sicherheitsexperten zweifeln an der Effizienz

Derzeit werde die Effizienz dieser bislang „ungetesteten Technologien“ gründlich geprüft, teilte der Luftfahrtverband Air Transport Association mit. Er rechne mit Gesamtkosten von bis zu 100 Mrd. $ für den Steuerzahler und wolle deshalb andere Möglichkeiten ins Auge fassen.

Sicherheitsexperten zweifeln ohnehin an der Effizienz von Hightech-Abwehrsystemen für Passagierflugzeuge. „Die US-Luftfahrt ist sehr verwundbar, ein solcher Anschlag kann durch technische Lösungen kaum vermieden werden“, sagt George Friedman von Stratfor, einem Strategieberater in Texas. Mit den Abwehrraketen könnten niedrig fliegende Flugzeuge im Umkreis von fünf Kilometern abgeschossen werden. Besonders gefährdet seien deshalb Start- und Landebahnen. Die meisten US-Flughäfen lägen außerhalb der Städte – Terroristen hätten da freie Schusslinie zum Ziel.

Außerdem seien Passagiermaschinen nicht mit Militärflugzeugen zu vergleichen. Diese könnten etwa den Wärme suchenden Raketen durch ruckartigen Richtungswechsel ausweichen. „Das geht mit einem Kampfflugzeug, aber nicht mit einer Boing 747“, sagt Friedman. „Die Herren aus der Business Class würden dabei ziemlich durcheinander gewirbelt.“

Beim Start sei an solche Manöver sowieso nicht zu denken, da der Flieger in Bodennähe dafür keinen Platz habe, sagt Louis Sorrentino von SH&E, einem internationalen Luftfahrt-Berater. Diese Phase sei für jedes Flugzeug kritisch – mit oder ohne Raketenabwehrsystem.

Für Sicherheitsexperten gibt es daher nur eine Lösung: eine bessere Arbeit der Geheimdienste und Behörden im Kampf gegen den internationalen Waffenhandel. Die Festnahme des Raketenschmugglers vor zwei Wochen kann nur ein Anfang sein.

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