Machtkampf
Schaeffler will Conti-Aufsichtsratschef absägen

Der Machtkampf zwischen dem Autozulieferer Continental und dessen Hauptaktionär Schaeffler eskaliert. Schaeffler hat den sofortigen Rückzug von Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg gefordert. Und wenn Conti nicht spurt, will Schaeffler notfalls auch den ganzen Aufsichtsrat neu besetzen.

HB HERZOGENAURACH/HANNOVER. Im Streit mit dem Autozulieferer Continental verlangt der Schaeffler-Konzern den sofortigen Rückzug des Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus von Grünberg. Da von Grünberg gemeinsame Lösungen systematisch sabotiere und eigene Interessen verfolge, sei das Vertrauen zerstört, erklärte Schaeffler am Dienstag in einer Stellungnahme in Herzogenaurach. Solange der Aufsichtsrat von Grünberg gewährenlasse und dieser nicht zurücktrete, behalte sich Schaeffler als Conti-Großaktionär das Recht vor, alle zehn Sitze der Anteilseigner im Aufsichtsrat neu zu besetzen.

Hintergrund des Vorgehens von Schaeffler ist offenbar, dass der Großaktionär seine Interessen durch den Conti-Aufsichtsrat nicht gewahrt sieht. Das Familienunternehmen hatte sich bei seinem Einstieg im vergangenen Sommer dazu verpflichtet, seinen Anteil bis 2012 auf knapp 50 Prozent zu beschränken und maximal vier Vertreter in den Aufsichtsrat von Conti zu entsenden. Die Autokrise hat die Situation beider Unternehmen erschwert. Beide Firmen sind mit Milliardenschulden belastet, Schaeffler durch den Kauf der Conti-Aktien, Conti durch die Übernahme der Siemens-Tochter VDO.

Vorausgegangen war der jetzigen Eskalation eine deutliche Attacke von Conti-Aufsichtsratsvize Werner Bischoff. Dieser hatte den Hauptaktionär zur Einhaltung der Investorenvereinbarung aufgerufen. Das Regelwerk sei Grundlage für den Einstieg von Schaeffler bei Conti gewesen, sagte der Arbeitnehmervertreter. „Ich finde, es ist eine ideale Grundlage für die Zukunftsgestaltung.“

Sollte der Machtkampf mit Schaeffler andauern, sähen sich die Arbeitnehmer dazu gezwungen, sich eine andere Strategie zu überlegen. „Letztlich habe ich kein Interesse daran, dass durch unternehmerische Kurzsichtigkeit, Arbeitsplätze und Standorte gefährdet werden“, betonte Bischoff, der auch Vorstandsmitglied der Gewerkschaft IG BCE ist.

Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte sich bei seinem Einstieg im vergangenen Sommer dazu verpflichtet, seinen Anteil bis 2012 auf knapp 50 Prozent zu beschränken und maximal vier Vertreter in den Aufsichtsrat von Conti zu entsenden. Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, Schaeffler verlange nun den Rückzug aller zehn Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Investorenvereinbarung überwachen soll, sei bereits über die Pläne informiert. Hintergrund des Vorgehens von Schaeffler sei offenbar, dass der Großaktionär seine Interessen durch den Conti-Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Hubert von Grünberg nicht gewahrt sehe. Weder Schaeffler noch Conti wollten sich dazu äußern.

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