Industrie
Machtkampf um EADS-Führung beendet - Deutscher an Airbus-Spitze

Die Führungskrise beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist nach monatelangem zähen Machtkampf zwischen der deutschen und der französischen Seite beigelegt.

dpa-afx PARIS/MÜNCHEN. Die Führungskrise beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist nach monatelangem zähen Machtkampf zwischen der deutschen und der französischen Seite beigelegt. Dabei kommt mit Gustav Humbert (55) erstmals ein Deutscher an die Spitze der EADS-Tochter Airbus. Er folgt dem Franzosen Noël Forgeard (58), der gemeinsam mit dem Deutschen Thomas Enders (46) für fünf Jahre zum Co-Chef von EADS aufrückt. Enders' Nachfolger als Chef der Rüstungssparte wird mit Stefan Zoller (47) ebenfalls ein Deutscher.

Nach Angaben aus EADS-Kreisen fiel die Entscheidung erst am Samstagmorgen in einer Telefon-Konferenz des Verwaltungsrates, nachdem am Vortag noch Gespräche mit dem Pariser Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton geführt worden seien. Der Durchbruch soll jedoch schon am Donnerstag unter vier Augen zwischen den EADS- Präsidenten, dem Daimler-Chrysler-Vertreter Manfred Bischoff und dem Pariser Großaktionär Arnaud Lagardère, in München geschafft worden sein.

Wichtige Weichenstellungen IN Zweiter Reihe

Der Kompromiss sieht auch wichtige Weichenstellungen in der zweiten Reihe vor: In Paris hielt Breton zufrieden fest, dass Enders und Forgeard künftig mit Jean-Paul Gut und Hans Peter Ring zwei beigeordnete Generaldirektoren für das Tagesgeschäft erhalten. Das war eine französische Forderung, um Gegengewicht zu schaffen und ein Balance in der Führungsspitze. Es ändert aber nichts daran, dass Deutsche mit Airbus und der Rüstung jetzt die Sparten mit vier Fünftel des EADS-Geschäfts führen. Zudem hatte es kurz vor der Einigung noch geheißen, erstmals solle ein Franzose den Verteidigungsbereich leiten. Doch dazu kam es nicht.

Auslöser des eskalierenden Gerangels auf hoher Ebene waren Versuche Forgeards gewesen, alleine die Führung des Konzerns zu übernehmen oder als EADS-Chef seine Position bei Airbus zu behalten, was vom Großaktionär Daimler-Chrysler abgeblockt wurde. Als sich Deutsche und Franzosen grundsätzlich einig waren, dass Forgeard und Enders das Schmuckstück europäischer Industrie im Duo leiten sollten, steckte der Teufel lange Zeit noch im Detail. An der Seine ging die Angst um, die deutsche Seite könnte auf absehbare Zeit den Ton in dem größten europäische Flugtechnikkonzern angeben.

Kreise: Sieg FÜR Daimler-Chrysler-Chef Schrempp

In Kreisen des EADS-Großaktionärs Daimler-Chrysler wird die Lösung der EADS-Führungskrise als Sieg für Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp interpretiert. Schrempp soll sich am Freitag nochmals persönlich in die letzten Verhandlungen eingeschaltet haben, um eine Verschiebung der Machtbalance zu Gunsten der Franzosen zu verhindern. Ein Sprecher des Stuttgarter Autokonzerns wollte dies indessen nicht kommentieren und sprach lediglich von einer guten Lösung, die die Tragfähigkeit der deutsch-französischen Zusammenarbeit gezeigt habe.

Bischoff und Lagardère sprachen von einem "exzellenten Team", das "sowohl die einzigartige Position der EADS als multinationales Unternehmen, als auch die starke Stellung des Unternehmens im Weltmarkt" reflektiere. Sie waren ein Echo zu Thierry Breton, der in Paris "das, global gesehen, gute Gleichgewicht zwischen Franzosen und Deutschen" lobte. Die Besten und Kompetentesten träten nun an.

Kompetenzen DER Doppelspitze GeklÄRT

Auch unterhalb der Führungsriege fielen wichtige Entscheidungen für das künftige EADS-Management: Der Verwaltungsrat löste den bisherigen Geschäftsbereich Luftfahrt (Aeronautics) auf und gründete den neuen Geschäftsbereich Hubschrauber mit dem Eurocopter-Chef Fabrice Brégier an der Spitze.

Auch die Zuständigkeiten der Co-Chefs für die einzelnen Sparten wurden klar geregelt: Danach überwacht Forgeard die Airbus-Sparte mit Humbert, den Bereich Raumfahrt mit dem Franzosen Francois Auque an der Spitze sowie den Finanzchef Ring. Enders wird nun doch der direkte Chef von Brégier und Zoller sowie des Marketing- und Strategievorstands Gut.

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