MAN bietet für Scania
Feilschen um Scania

Nach dem Scania-Aufsichtrat und dem Scania-Großaktionär Investor hat auch Volkswagen das Übernahmeangebot von MAN für Scania abgelehnt. Analysten rechnen mit einer Aufstockung der Offerte, wenn sich MAN die angestrebten 90 Prozent an Scania sichern will. Eine langwierige und Kräfte zehrende Übernahmeschlacht hat MAN voraussichtlich nicht zu befürchten.

MÜNCHEN / STOCKHOLM / WOLFSBURG. Nach dem Scania-Aufsichtsrat und dem Großaktionär Investor hat auch Volkswagen das Übernahmeangebot des Nutzfahrzeugkonzerns MAN für den schwedischen Konkurrenten Scania abgelehnt. Eine Annahme des Angebots entspräche nicht dem „industriellen Interesse“ des Konzerns, teilte VW am Montag zur Begründung mit. Volkswagen hält an Scania 18,7 Prozent des Kapitals und 34 Prozent der Stimmrechte.

Die Investition von VW bei Scania habe strategischen Charakter und liege im industriellen Interesse des Konzerns. Eine Annahme des von MAN vorgelegten Übernahmeangebots entspräche nicht diesem industriellen Interesse. Deshalb lehne der Volkswagen-Konzern die Annahme ab und veräußere seinen Aktienanteil nicht, hieß es.

Eine langwierige und Kräfte zehrende Übernahmeschlacht fürchten Branchenbeobachter aber derzeit nicht. Keiner der Beteiligten werte das Angebot bisher offenbar als „feindlich“. Nun gehe es wohl vor allem darum, den Preis noch ein wenig in die Höhe zu treiben, sagt Nutzfahrzeug-Expertin Jutta Rosenbaum von der Commerzbank. „Das riecht förmlich nach einem höheren Preis“, sagte auch Heino Ruland vom Handelshaus Steubing.

Analystin Rosenbaum von der Commerzbank warnt aber davor, den Bogen dabei zu überspannen: Bereits jetzt sei das schwedische Unternehmen außerordentlich hoch bewertet und das Angebot von MAN über rund 9,6 Milliarden damit „mindestens fair“. Ähnlich äußert sich Björn Rosentreter von Independent Research. Mit zu viel Widerstand würden sich die Anteilseigner vor allem selbst schaden, glauben die Experten: Sollte das MAN-Angebot scheitern, würde vor allem die Aktie des schwedischen Unternehmens unter Druck geraten.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufunf auf Industriekreise, dass der Großaktionär Investor der Industriellenfamilie Wallenberg dem Angebot ablehnend gegenüberstehe. Es wurde darauf verwiesen, dass Scania eine viel höhere Rendite erwirtschafte als MAN und eine Übernahmeofferte daher äußerst unwillkommen sei. Die Anlagegesellschaft Investor der Industriellenfamilie Wallenberg sehe sich im übrigen als langfristiger Anteilseigner, hieß es in den Kreisen. Dies deutet darauf hin, dass sich das Unternehmen nicht mit einer reinen Barzahlung abfinden lassen will, die den Löwenanteil des MAN-Angebots im Gesamtvolumen von 9,6 Milliarden Euro ausmacht.

Schon einmal hatte sich der deutsche Industrie-Konzern, damals noch unter Samuelssons Vorgänger Rudolf Rupprecht, eine Abfuhr bei Scania geholt. Auf Spekulationen um ein Interesse aus Deutschland reagierte der eigenwillige Scania-Chef Leif Östling im Jahr 2003 kühl: „Eine Fusion bringt immer gewaltige interne Kämpfe mit sich, besonders dann, wenn sich Bereiche überschneiden wie bei MAN und Scania“, sagte er damals in einem Interview. Rupprecht steckte daraufhin zurück, eine Zusammenarbeit lasse sich nicht ohne Zustimmung des Managements machen, erklärte der frühere Vorstandschef.

Von Samuelsson erwarten Branchenkenner nun mehr Entschlossenheit. Dem Schweden kommt dabei nicht nur die genaue Kenntnis seines ehemaligen Arbeitgebers Scania zugute, sondern auch die mittlerweile deutlich gefestigte Position im Nutzfahrzeuggeschäft. Gestärkt durch den Lastwagen-Boom und eine gute Profitabilität sei nun grundsätzlich ein guter Zeitpunkt für die Offerte gekommen, sagt Rosenbaum. Auch die von Samuelsson beschworene industrielle Logik leuchte ein: „Langfristig wären die beiden Unternehmen zusammen besser aufgestellt.“

Mit größerem Widerstand der Arbeitnehmer muss MAN unterdessen nicht rechnen. Ein Zusammengehen mit Scania könne durchaus zur Stärkung der Weltmarktpräsenz beitragen, sagt Harald Flassbeck, der für die IG Metall im Aufsichtsrat der MAN Nutzfahrzeuge AG sitzt. Voraussetzung sei allerdings, dass Samuelsson die Marken wie angekündigt bestehen lasse und an der zugesicherten Standortsicherung festhalte. Den Gegenwind aus Schweden sieht Flassbeck nun zunächst einmal als übliches Ritual im Rahmen des Übernahmepokers, alles Weitere müssten jetzt die anstehenden Verhandlungen mit den Anteilseignern bringen.

Vorsorglich warnte der Gewerkschafter aber schon einmal davor, mögliche Mehrbelastungen durch eine Aufbesserung der Offerte zu Lasten der Beschäftigten gehen zu lassen. Mit Blick auf die geplante Kreditfinanzierung eines Teils des Kaufpreises für Scania erklärte Flassbeck: „Wir würden es nicht hinnehmen, wenn man versuchen würde, Zinsbelastungen als Sonderopfer den Arbeitnehmern aufzudrücken.“

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