Marine-Zulieferer ist ein wichtiger Baustein für die Führung in der Branche
Europas Rüstungskonzerne rangeln um Atlas Elektronik

Um den Bremer Marine-Ausrüster Atlas Elektronik tobt die letzte Runde des Bietergefechts. Das Schicksal des Bremer Unternehmens, das bis vor kurzem nur Experten ein Begriff war, steht inzwischen im Zentrum von Planspielen der europäischen Rüstungsstrategen, die sogar die Zukunft des Luftfahrt-Militärtechnikkonzerns EADS berühren.

DÜSSELDORF. Für Experten wie Alexandra Ashbourne, von Ashbourne Strategic Consulting, ist klar: „Atlas ist ein wichtiger Baustein im Kampf um die Führungsposition in der europäischen Rüstungsindustrie“. Nach Informationen des Handelsblatts werden die Bieter BAE-Systems, dem Eigentümer von Atlas, die letzten Angebote im November vorlegen. Dann wird der britische Rüstungskonzern entscheiden, wer den Zuschlag erhält: Thyssen-Krupp und EADS, die gemeinsam für das Unternehmen mit 350 Mill. Euro Umsatz bieten, der französische Rüstungskonzern Thales oder die US-Firma L3 Communications.

Atlas zählt zu den führenden Anbietern von Technologien für den konventionellen U-Boot-Bau, in dem der neu geformte Werftenverbund unter dem Dach von Thyssen-Krupp als Marktführer gilt. Das Interesse an diesem Wachstumssegment ist groß: Thales ist bereits ein wichtiger Zulieferer für Marine-Elektronik mit rund 2,5 Mrd. Euro Umsatz in dem Bereich und will die Position weiter ausbauen. EADS dagegen sucht verstärkt nach Optionen, um das im Vergleich zum Gewinntreiber Airbus schwache Rüstungsgeschäft zu stärken.

Doch die strategischen Überlegungen in der Branche gehen darüber hinaus. EADS wird zu gleichen Teilen von deutschen wie französischen Aktionären kontrolliert, darunter Daimler-Chrysler und Lagardère. Eine engere Verbindung von EADS und Thyssen über den Atlas-Zukauf sei sinnvoll, wenn Daimler sich von Teilen seiner EADS-Aktien trennen wolle, heißt es in Industriekreisen. Beobachter rechnen zwar wegen steuerlicher Hemmnisse nicht vor 2007 damit. Thyssen könne dann aber für die Übernahme eines EADS-Aktienpakets bereitstehen und damit den deutschen Anteil an dem Mutterkonzern von Airbus auf dem gleichen Niveau halten.

Im Umfeld von EADS gilt die Zukunft der Beteiligung zwar noch als offen. Das Auftreten eines anderen deutschen Investors, der für mehrere Milliarden Euro EADS-Anteile von Daimler kauft, halten Kenner des Konzerns aber für unwahrscheinlich. Näher liege die Strategie, dass sowohl die deutschen als auch die französischen Anteilseigner in kleinen Schritten Aktien an den Markt verkauften, um die Streuung der Papiere zu erhöhen. Ein EADS-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Auch Thyssen und Thales lehnten ein Stellungnahme ab.

Seite 1:

Europas Rüstungskonzerne rangeln um Atlas Elektronik

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%