Marktbeobachter reagieren gelassen
Shell korrigiert erneut Ölreserven-Bestand

Der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch/Shell hat seine Öl- und Gasreserven erneut neu bewertet - und zwar zum erten Mal in diesem Jahr.

HB LONDON. Von dem für 2002 ausgewiesenen Ölbestand müssen den Unternehmensangaben zufolge nun 4,47 Mrd. Barrel (ein Barrel = rund 159 Liter) abgezogen werden statt 4,35 Milliarden, wie im April angegeben. Analysten schätzten die Veränderung als marginal ein. Anders als bei den bisherigen Revisionen hielt sich der Aktienkurs des weltweit drittgrößten Ölkonzerns stabil. Anfang Januar hatte das Unternehmen die Börsen mit einer dramatischen Revision der Bestandszahl um ein Fünftel schockiert und mit anschließenden kleineren Korrekturen weiteres Vertrauen verloren. In der Folge des Skandals wechselte es seine Führungsspitze aus.

Der Chef der Erforschungs- und Produktionsabteilung des Konzerns, Malcolm Brinded, stellte zugleich ein Ende der Revisionen in Aussicht. „Es ist nicht geplant und wird auch nicht erwartet, dass sich weitere Änderungen ergeben werden“, sagte er. Die Revision werde sich auch nicht auf die Liquidität des Unternehmens auswirken.

Analyst Brendan Wilders von Oriel Securities sagte, er nehme an, dies sei nun der definitive Schlussstrich im Revisionsskandal. „Die weitere Anhebung ist marginal und ich bewerte das nicht als wirkliche Neuigkeit“, fügte er hinzu. Crispin Odey vom Londoner Hedge-Fonds Odey Asset Management äußerte sich mit Blick auf die gesamte Ölbranche skeptisch hinsichtlich der Geschäftsentwicklung, obwohl deutlich gestiegene Ölpreise vorübergehend zu einem Anstieg der Gewinne führen dürften. Die Vorgänge bei Shell hätten Zweifel an den in der Branche üblichen Maßstäbe für die Bewertung von Reserven geweckt.

Im Laufe des Jahres hatten Unternehmenschef Philip Watts, der Leiter der Öl- und Gassparte, Walter van de Vijver, sowie Finanzvorstand Judy Boynton ihre Posten räumen müssen. Die drastische Korrektur der Bestände hatte zudem eine Untersuchung der US-Aufsichtsbehörden ausgelöst. Mit dem Wechsel an der Führungsspitze und einem Aktienrückkaufprogramm habe die neue Führung das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen, sagten Analysten.

Shell will seinen Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr am Freitag vorlegen. Internationale Standard in der Buchführung sollen ab 2005 eingeführt werden. Die Aktien des Konzerns lagen in Amsterdam 0,4 % im Plus bei 40,65 €.

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