Martin Winterkorn in Berlin
War da was?

Martin Winterkorns erster öffentlicher Auftritt nach dem Abschied von Ferdinand Piëch ist kurz und abgeschirmt. Und so skurril, als hätte es die Ereignisse der vergangenen beiden Wochen nie gegeben.
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BerlinEs ist Auftritt Nummer eins nach dem ultimativen Showdown vom Samstagnachmittag. Als plötzlich der mächtige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula das Feld räumten. Und Martin Winterkorn, der oberste Angestellte bei Volkswagen, seither mehr Macht hat als je zuvor. Lange sah er wie der tragische Verlierer in einem Kampf aus, den er eigentlich nicht gewinnen konnte, jetzt also zeigt er sich erstmals auf der ganz großen Bühne mitten im Zentrum der Politik.

Das zeigt schon die Adresse: Friedrichstraße 84/Ecke Unter den Linden. „DRIVE. Volkswagen Group Forum“ heißt das neue repräsentative Aushängeschild des Konzerns in der Hauptstadt jetzt. Früher stand schlicht Automobil Forum Unter den Linden an der Tür. Aber jetzt, da man sich anschickt, der größte Autobauer der Welt zu werden, muss alles deutlich moderner werden.

Also wurde umgebaut. Und quasi eine Art Autostadt in Miniatur geschaffen. „START- Die Welt der Volkswagen Group“ heißt die erste Gesamtausstellung, in der sich jede der zwölf Konzernmarken in einer eigenen Markenbox zeigt. Das muss vorab natürlich gefeiert werden, ehe am 1. Mai offiziell eröffnet wird. Und das, wie bei Volkswagen typisch, natürlich nicht im kleinen Rahmen. 800 Gäste aus Politik, Kunst, Kultur und Sport drängen sich zusammen. Sigmar Gabriel, der Wirtschaftsminister, ist auch gekommen. Ebenso der neue Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Und Barbara Schöneberger moderiert. Bekannt ist sie dafür, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist. Folglich könnte es spannend werden, wie sie mit der pikanten Situation umgeht. Doch Schöneberger spricht von der Bauzeit von 18 Monaten, die „völlig Berlin-untypisch“ auch eingehalten wurde. Und von einem Bauwerk, wie es nur Volkswagen in der Hauptstadt auf die Beine stellen kann. Martin Winterkorn ringt sie ein Bekenntnis zu Berlin ab. Und am Ende drücken er, Sigmar Gabriel und Michael Müller auf einen riesigen Buzzer.

Und irgendein Wort zu den Ereignissen der vergangenen Wochen? Fehlanzeige. Winterkorn kommt erst mit Beginn der Veranstaltung zur Seitentür rein. Und ebenfalls völlig untypisch im Vergleich zu bisherigen VW-Veranstaltungen wird er hinter Absperrbändern völlig abgeschirmt. Als zum Abschluss klassische Musik erklingt, entschwindet Winterkorn schon wieder beinahe unerkannt zum Seitenausgang hinaus. Und wird ab da nicht mehr gesehen.

Hauptgesprächsstoff an diesem Abend bleibt er aber trotzdem. Schließlich sind Vertreter aller zwölf Marken da. Irgendwie nachvollziehbar, nach all dem medialen Dauerfeuer um seine Person. Aber Winterkorn zieht es vor, besser gar nicht erst die Gelegenheit zum Gespräch zu geben.

Als eine Stunde später Robbie Williams die Bühne für 20 Minuten erklimmt, sitzt er längst wieder im Flieger nach Wolfsburg. Er weiß, dass er in den nächsten Wochen fit sein muss: Schon in einer Woche steht ein viel größerer Auftritt an. Mehrere tausend Aktionäre werden dann wissen wollen, wie es mit dem Konzern nach den öffentlichen Scharmützeln weitergehen soll. Dann werden noch mehr Kameras als an diesem Abend in Berlin auf ihn gerichtet sein. Und seine Rede wird zwangsläufig auch deutlich länger ausfallen müssen.

Kommentare zu " Martin Winterkorn in Berlin: War da was?"

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  • Den Inhalt des Artikels kann man durchaus zustimmen.
    Warum aber in Deutschland beim Drücken auf einen >Taster< des öfteren von einem >Buzzer< gesprochen wird, ist für mich unverständlich.

  • >> Und Martin Winterkorn, der oberste Angestellte bei Volkswagen, seither mehr Macht hat als je zuvor >>

    Dieser Satz sagt doch das Perverse in diesem Spiel exakt aus :


    Wie kann ein Angestellter mehr Macht haben als der Inhaber ?

    VW wird in die Bedeutungslosigkeit abrutschen, den der Inhaber wird seine Finanzen neu regeln. Und auf diese Neuregelung hat ein Angestellter niemals Einfluss.

    Denn er ist und bleibt ein Angestellter !



  • Der AR muss Wiko massiv im Auge behalten. Altersbedingt scheint er teilweise die Orientierung im Konzern zu verlieren. Ein Neuer muss ran ... der Alte ist fertig.

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