Maschinenbauer
Mit Samthandschuhen nach Russland

Die Beziehungen zwischen deutschen Firmen und ihren russischen Kunden sind seit Beginn der Sanktionen heikel. Insbesondere die Maschinenbauer sind betroffen. Manch Unternehmen fürchtet neue Konkurrenz.
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Chemnitz/Ditzingen Es ist alles bereit. Die Maschinen sind fertig zum Abtransport. Allein die Ausfuhrpapiere fehlen. Das allerdings nun seit Monaten. Ende Juli 2014 verschärfte die EU die Sanktionen gegen Russland und machte die Ausfuhr für Maschinen, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke dienen können, praktisch unmöglich. Deshalb stehen die Werkzeugmaschinen der Firma Niles-Simmons Industrieanlagen (NSI) noch heute in Chemnitz. Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle verweigerte die Genehmigung.

Nachdem die EU als Reaktion auf die Ukraine-Krise Sanktionen erließ, ist das Geschäft der Maschinenbauer mit den Russen ins Stocken geraten. Bundesweit brachen die Exporte der Maschinenbauer nach Russland im vergangenen Jahr um 17 ein. Bis Mai gingen sie noch einmal um 30 Prozent zurück. Die ostdeutschen Maschinenbauer litten aufgrund ihrer traditionellen Nähe zu Russland besonders. „Die Firmen sind kleiner und können nicht einfach auf andere Märkte ausweichen“ sagt der Geschäftsführer des VDMA Ost, Reinhard Pätz.

Auch NSI pflegte gute Beziehungen zu russischen Partnern – bis vor einem Jahr. In den 1990er Jahren hatten die Russen die Industrie noch vernachlässigt. Unter Wladimir Putin erfolgte eine Rückbesinnung. „Deshalb ergaben sich für uns riesige Chancen, an der Modernisierung der russischen Wirtschaft teilzunehmen“, sagt Bernhard Pause, Technischer Geschäftsführer bei NSI.

Das Ausfuhrverbot für Gütern, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt werden können, traf NSI besonders. „Ich kann bei einer Kurbelwellenfräsmaschine nicht unterscheiden, ob die Kurbelwelle beim Militär oder im zivilen Bereich verwendet wird“, macht Pause das Dilemma deutlich.

Doch selbst wenn die Produkte unproblematisch sind, gibt es unter Umständen Schwierigkeiten. „Früher lief viel über große Konzerne. Das ist schwierig geworden, weil in dem Geflecht von Beteiligungen häufig ein Rüstungsbezug zu finden ist“, sagt Reinhold Groß, Vertriebsleiter beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf in Ditzingen (Baden-Württemberg). Inzwischen hat Trumpf kleinere Firmen als Kunden gefunden. In Gesprächen mit den Kunden wird die politische Situation tot geschwiegen. „Wir haben eine Handvoll Kunden, die sauer auf uns Europäer sind. Ein paar Kundenbeziehungen sind daran zerbrochen.“

Zu den Sanktionen komme der Rubel-Verfall. Selbst wenn die Kunden also bei deutschen Herstellern kaufen wollen und dürfen, ist ihr Rubel nichts mehr wert. Trumpf hat deshalb seine russische Tochter mit Finanzmitteln ausgestattet. „Auf diese Weise können kann sie, wenn nötig, einen Zahlungsaufschub von bis zu 12 Monaten gewähren“, sagt Groß. „Ich schätze aber, dass eine Entspannung frühestens in zwei Jahren eintritt.“ Für Trumpf ist die Lage nicht kritisch. Das Russland-Geschäft macht nur einen einstelligen Anteil am Umsatz aus.

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