Massive Kostensenkungen
Merck verzichtet vorerst auf weitere Großübernahmen

Karl-Ludwig Kley will den Pharma- und Chemiekonzern Merck umbauen. Massive Kostensenkungen sollen das Unternehmen auf Kurs bringen. Weltweit sollen Stellen gestrichen werden. Auf weitere Großübernahmen wird verzichtet.
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FrankfurtDer Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck forciert seinen Sparkurs. Firmenchef Karl-Ludwig Kley stimmte die Aktionäre am Freitag auf der Hauptversammlung in Frankfurt auf einen umfassenden Umbau des Traditionsunternehmens sowie massive Kostensenkungen ein.

Auch sollen weltweit Stellen gestrichen werden. Mit dem Sparkurs will Kley die Konzernstruktur entschlacken, eine neue Führungsorganisation aufbauen und das Unternehmen auf mehr Rendite trimmen. In der Pharmasparte hatte es zuletzt mehrere Fehlschläge in der Arzneientwicklung gegeben. Zudem nimmt die Konkurrenz im lukrativen Flüssigkristallgeschäft immer mehr zu.

Der Sparpaket soll alle Bereiche des Unternehmens betreffen und bis Ende 2013 weitgehend umgesetzt sein. Danach will Merck wieder einen stärkeren Wachstumskurs einschlagen.

„Wenn wir Merck auf diesem Weg deutlich nach vorn bringen wollen - und das wollen wir -, dann muss die Senkung unserer Kosten signifikant sein“, kündigte Kley den rund 1000 versammelten Aktionären an. 2011 lagen die operativen Kosten Kley zufolge bei acht Milliarden Euro, rund 40 Prozent waren Personalkosten. Konkrete Zahlen zum geplanten Stellenabbau oder zur erwarteten Einsparsumme nannte Kley weiterhin nicht. Merck hat derzeit weltweit mehr als 40.000 Beschäftigte - rund 10.000 allein Deutschland. Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern in Deutschland begannen Ende Februar. „Die Gespräche dauern momentan noch an“, sagte Kley.

Merck wolle den Stellenabbau „möglichst auf freiwilliger Basis“ umsetzen. Kley erwartet, die Verhandlungen „relativ zeitnah“ abzuschließen. Personalvorstand Kai Beckmann rechnet nicht damit, das es zu Streiks kommt.

Wegen der Konzentration auf den Konzernumbau will der Konzern bis Ende 2013 keine Großübernahmen wagen. „Allerdings werden wir unsere Geschäfte auch weiterhin durch Einlizenzierungen oder zielgerichtete Zukäufe stärken, wenn sich Chancen ergeben“, sagte Kley. Auf dem Aktionärstreffen bekräftigte der Merck-Chef zudem den Geschäftsausblick für dieses Jahr. Danach soll der Umsatz leicht steigen, und auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Sondereinflüssen soll leicht zunehmen.

Aktionärsvertreter gingen insbesondere auf das Sparprogramm ein. „Hoffen wir, dass diese Kostensenkungen den Aktienkurs und die Dividende weiter steigen lassen“, sagte Michael Ruoff von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Aktionäre sollten auf dem Treffen einer 20-prozentigen Anhebung der Dividende auf 1,50 Euro zustimmen. Andere Aktionäre kritisierten, dass Kley seine Beschäftigten weiterhin im Ungewissen lasse und noch immer keine Zahlen zum geplanten Stellenabbau nannte. „Wieso diese lange Hängepartie“, sagte Flavio Battisti, der lange Jahre Betriebsratschef bei Merck war.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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