Mehr als 100 Beschuldigte
MAN rutscht tiefer in den Sumpf

Der MAN-Konzern gerät immer tiefer in den Sog der Ermittlungen. Am Montag zog die Staatsanwaltschaft München eine Zwischenbilanz der Großrazzia der vergangenen Woche.

MÜNCHEN. Demnach hat sich der Kreis der Beschuldigten auf "weit über 100 erhöht", teilte die Behörde mit. Zudem bestehe die Vermutung, dass Schmiergeldzahlungen über zahlreiche Scheinfirmen in Steueroasen abgewickelt wurden.

Die Staatsanwaltschaft München hatte in der vergangenen Woche umfangreiche Durchsuchungen in ganz Deutschland vorgenommen. Das Ausmaß war weit größer als bislang bekannt, 300 Polizeibeamte, 100 Steuerfahnder und zwei Dutzend Staatsanwälte waren im Einsatz. Insgesamt seien 59 Objekte durchsucht worden, darunter die Konzernzentrale in München Schwabing, die Zentrale der Nutzfahrzeugtochter, Niederlassungen, sowie sieben Privatwohnungen. "Hierbei wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt", erklärte die Staatsanwaltschaft. Von den zwei Haftbefehlen sei einer wieder außer Kraft gesetzt worden. "Gegenwärtige Vorstandsmitglieder der MAN Nutzfahrzeuge AG waren hiervon nicht betroffen", hieß es allerdings weiter.

Die Vorwürfe wiegen dennoch schwer - und zielen nicht nur auf einfache Vertriebsmitarbeiter: "Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse besteht der Verdacht, dass bei der MAN Nutzfahrzeuge AG ein System zur Förderung des Absatzes von Lkws und Bussen im Bundesgebiet existierte", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittlungen lauten auf den Verdacht der Bestechung, der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sowie Steuerhinterziehung. Justizkreisen zufolge kam der entscheidende Tipp für die Razzia von den Steuerbehörden. Diese sind gehalten, Verdacht auf Schmiergeldzahlungen den Staatsanwaltschaften zu melden.

Standen bislang die Geschäftsjahre 2002 bis 2005 im Verdacht, so wurde der Zeitraum der fragwürdigen Zahlungen jetzt bis auf das Jahr 2009 ausgedehnt. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von möglichen Schmiergeldzahlungen in Höhe von einer Million Euro im Inland aus. Im Ausland soll es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

MAN wollte am Montag keine Stellungnahme abgeben. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der Konzern erklärt, voll mit den Behörden kooperieren zu wollen. MAN waren die Unregelmäßigkeiten im Vertrieb allerdings bekannt: Bereits 2007 war eine interne Sonderprüfung "in einzelnen Fällen zu Beanstandungen von Zahlungsvorgängen gekommen". Daraus seien organisatorische und angemessene personelle Konsequenzen gezogen worden, teilte der Konzern mit. Insgesamt soll sich MAN von rund 20 Mitarbeitern getrennt haben. Zur Anzeige brachte MAN die Vorfälle aber nicht. Dazu sei man nicht verpflichtet gewesen, sagte ein Konzernsprecher.

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