Mehr Mitsprache
Opel wird erst 2011 zur AG

Mehr Mitsprache für die Opelaner - das ist einer der Gründe, warum Opel wieder zur Aktiengesellschaft wird. Im September hatte der Mutterkonzern GM der Umbenennung zugestimmt. Allerdings braucht der Schritt nun etwas länger als geplant.
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HB RÜSSELSHEIM. Opel wird erst im neuen Jahr wieder in eine Aktiengesellschaft umgewandelt - etwas später als geplant. "Die Anträge zur Umfirmierung gehen heute an das Amtsgericht Darmstadt raus", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. "Die Umfirmierung soll aber erst zum 1. Januar erfolgen. Sonst hätten wir für 2010 noch einen Abhängigkeitsbericht erstellen müssen. Und das hätte unnötig viel Zeit und Geld gekostet." Die US-Mutter General Motors hatte dem Schritt im September zugestimmt.

Der Betriebsrat hatte die Umwandlung in eine AG zur Voraussetzung für eine Mitarbeiterbeteiligung an der Sanierung des kriselnden Herstellers gemacht. Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten bis 2014 auf jährlich 265 Mio. Euro.

Die Arbeitnehmer und auch Opel-Chef Nick Reilly erhoffen sich von der Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine AG mehr strategische Unabhängigkeit von der US-Mutter. "Die neue Gesellschaftsform wird die Mitsprachemöglichkeiten der Arbeitnehmer deutlich erweitern und die Eigenständigkeit des Opel-Managements, insbesondere in Produktfragen, gegenüber der Konzernmutter General Motors erhöhen", hatte Franz mehrfach betont.

IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, der für die Arbeitnehmerseite im Opel-Aufsichtsrat sitzt, betonte: "Aus Arbeitnehmersicht ist die Umwandlung in die AG ein wichtiger Schritt zu mehr Eigenständigkeit und mehr Mitbestimmung. Denn die neue AG unterliegt deutschem Mitbestimmungsrecht." In der Vergangenheit hatte Rüsselsheim dem Management in Detroit immer wieder Fehler in der Modell- und Produktpolitik vorgeworfen.

Erst vor fünf Jahren war Opel von der AG in eine GmbH umgewandelt worden. "Lange war Opel von einer kranken Mutter abhängig", sagte Schild. Jetzt sei GM zwar wieder auf gutem Weg, müsse aber ab sofort auch die Interessen des Kapitalmarktes bedienen. "Wir hoffen, dass Opel als AG seine Entscheidungen hinsichtlich etwa der Markenstrategie, der Produkte und der langfristigen Ausrichtung eigenständiger treffen kann."

Nach Überzeugung des Autoexperten Wolfgang Meinig von der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) wird die neue Gesellschaftsform Opel langfristig voranbringen: "Fernziel einer AG ist es, an der Börse gehandelt zu werden und über Aktienverkäufe Geld einzunehmen."

Während GM nach der Insolvenz im Vorjahr inzwischen wieder Geld verdient, steuert das Europageschäft um Opel in diesem Jahr auf einen massiven Verlust zu. Reilly hatte der "Wirtschaftswoche" gesagt, er rechne mit einem Minus von rund 1,4 Mrd. Euro. In den ersten neun Monaten 2010 häuften Opel/Vauxhall Verluste von 1,2 Mrd. Dollar (882 Mio Euro) an. Im dritten Quartal verlor GM in Europa mehr als dreimal so viel wie im Vorquartal.

Reilly hatte mehrfach angekündigt, mit Opel spätestens 2012 wieder Gewinne einzufahren. Dazu will er einerseits die Kosten in den Griff bekommen und die Kapazitäten um 20 Prozent senken. Europaweit sollen rund 8000 der 48 000 Jobs wegfallen. Andererseits sollen Milliardeninvestitionen in neue Modelle und Technologien das angekratzte Image des Herstellers aufpolieren und so den Absatz erhöhen.

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