Mifa meldet Insolvenz an
Maschmeyers missglücktes Investment

Der Fahrradhersteller Mifa muss offiziell Insolvenz anmelden. Der größte Aktionär Carsten Maschmeyer steht mit seiner Anlage vor einem Scherbenhaufen – genauso wie die anderen Anleger des Unternehmens.
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SangerhausenDie Lage beim krisengeschüttelten Fahrradbauer Mifa in Sangerhausen spitzt sich zu. Nach derzeitiger Einschätzung war das Eigenkapital des Unternehmens bereits Ende Juni negativ, teilte das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung mit. Das heißt, die Bilanz ist in einer Schieflage, das Unternehmen in einer existenziellen Krise. Darum wurde nun ein Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht Halle eingereicht. Zu den Großaktionären des absatzstärksten deutschen Fahrradproduzenten, der rund 600 Mitarbeiter beschäftigt, gehört AWD-Gründer Carsten Maschmeyer.

Die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) hatten im vergangenen Jahr mehr als 13 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Wie schlecht es um die Fabrik steht, war Maschmeyer bei seinem Einstieg nicht bekannt, weil das Unternehmen bei seinen Bilanzen getrickst hatte.

An der Börse ist die Mifa-Aktie in den vergangenen Wochen zum Penny-Stock verkommen. Aktuell notiert sie nur noch bei knapp 0,78 Euro – ein Minus von fast 30 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 84 Prozent seines Wertes eingebüßt.  Ähnlich katastrophal sieht es bei der Mittelstandsanleihe von Mifa aus. Sie ist bis auf zehn Prozent abgestürzt, heute rutschte sie noch einmal um fast 62 Prozent ab. Wie viel ihres investierten Geldes die Anleger wiedersehen werden, wird die Zeit zeigen.

Großer Hoffnungsträger des angeschlagenen Fahrradbauer war zuletzt der indische Fahrradhersteller Hero Cycles, der einen Einstieg unter bestimmten Voraussetzungen angekündigt hatte. Bislang sei aber von Hero Cycles kein Geld geflossen, weil unter anderem die Anleihengläubiger noch einen angekündigten Forderungsverzicht beschließen müssen, erklärte ein Sprecher. Hero Cycles gehört zu den Weltmarktführern in der Fahrradbranche. Sie verhandeln seit 16 Monaten mit den Deutschen. Nachdem der Bilanzschwindel aufgeflogen war, waren sie nur noch bereit, 25 Millionen Euro für 90 Prozent des Unternehmens zu zahlen.

„Trotz intensiver Verhandlungen mit den Verantwortlichen von Hero ist es bislang nicht gelungen, bei einem wesentlichen Bestandteil der Vereinbarung zu einer abschließenden Lösung zu gelangen“, sagt Stefan Weniger, derzeitiger Alleinvorstand der Mifa. Stimmt das Amtsgericht dem Antrag des Unternehmens zu, sollen die Geschäfte vorerst in Eigenregie fortgeführt werden. Bei der Mifa übernimmt am Mittwoch ein neuer Vorstandsvorsitzender das Ruder: Der Handels- und Industrieexperte Thomas Mayer (56) erbt den Chefposten von Hans-Peter Barth, der kürzlich mit sofortiger Wirkung abberufen wurde. Mayer sei künftig unter anderem für die finanziellen und rechtlichen Belange des Fahrradbauers verantwortlich.

In der Pflichtmitteilung gab das Unternehmen zudem entsprechend der gesetzlichen Vorschriften bekannt, dass ein Verlust in Höhe der Hälfte des Eigenkapitals bereits eingetreten sei. Daher werde das Unternehmen unverzüglich eine Hauptversammlung einberufen. Dies sieht das Aktienrecht vor.

Trotz des Insolvenzantrags beurteilt Weniger die Geschäftslage des Unternehmens nicht aussichtslos: „Wir sind grundsätzlich in der Lage, unsere gut gefüllten Auftragsbücher wie geplant zu bedienen und können nicht das Risiko eingehen, aufgrund von Verzögerungen in der Umsetzung der Kapitalrestrukturierung den reibungslosen Fortgang des Geschäfts zu gefährden“, sagt er. Im vergangenen Jahr machte Mifa einen Verlust von 13,2 Millionen Euro.

Die Mitarbeiter des Fahrradbauers sollen laut der Pflichtmitteilung heute über die Situation informiert werde. Die Löhne und Gehälter der seien für drei Monate über die Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Außer Rentner abzocken kann der Bandit Maschmeyer nichts.
    Warum kann so einer noch frei rumlaufen?

  • Nachdem im März 2011 Derby Cycle erfolgreich an die Börse gegangen war, war es nur eine Frage der Zeit, wann der Blick der Investoren auf der Suche nach vergleichbar aussichtsreichen Investements auf die MIFA fallen würde. Eine Analyse der Geschäftszahlen erzählte allerdings schon damals eine ganz andere Geschichte. Umso verwunderlicher erscheint es heute, dass ausgerechnet ein vermeintlich versierter Finanzakrobat wie Herr Maschmeyer als erster auf den Zug aufsprang und eine Hausse der MIFA-Aktie auslöste. Das musste einen anderen Hintergrund haben, als dass da jemand auf einen fahrenden Zug aufspringen wollte. Vielmehr musste es darum gehen, einer schwächelnden Firma in einer ökonomisch schwer angeschlagenen Region durch Investitionen und überzeugende Konzepte, durch Sanierungsmaßnahmen und eine komplette Durchforstung und Neuausrichtung des Produktportfeuilles zu neuem Schwung zu verhelfen. Schade, dass dies offenbar nicht gelungen ist. Man kann nur hoffen, dass das letzte Wort zur MIFA noch nicht gesprochen ist und der sonst doch so attraktiven Region dieser Arbeitgeber erhalten bleibt.

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