Mifa und Maschmeyer
Totalschaden in der Fahrradbranche

Stunden nach seiner Hochzeit mit Veronika Ferres musste sich Carsten Maschmeyer um die Mitteldeutsche Fahrradfabrik kümmern, an der er beteiligt ist. Sie steht vor dem Aus. Das könnte ihn Millionen kosten.
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Deutschlands umtriebigster Investor Carsten Maschmeyer hat ein lebhaftes Wochenende hinter sich. Eigentlich wollte sich der Selfmade-Milliardär seinem persönlichen Glück widmen: Seit Monaten hatte eher die prächtige Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Veronika Ferres geplant: In Südfrankreich sollte es sein, nicht unter den Eichen seiner Heimatstadt Hannover, sondern unter den Palmen der Cote d'Azur.

Doch ein kriselndes Investment des Milliardärs verhinderte die ganz unbeschwerte Sause: Maschmeyer ist vor knapp zwei Jahren als Großinvestor bei der Mitteldeutschen Fahrradfabrik (Mifa) eingestiegen. Und dort läuft es alles andere als rund. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen muss der Vorstand des Unternehmens voraussichtlich heute in Halle zum Amtsgericht und die Insolvenz beantragen.

Der Vorstand teilte am Montagmorgen mit, dass die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht sei. Das Eigenkapital im Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2014 werde nach derzeitiger Einschätzung negativ sein. Der Vorstand muss aus diesem Grund unverzüglich eine Hauptversammlung einberufen.

Die Mifa ist mit rund 800 Mitarbeitern Deutschlands größte und traditionsreichste Fahrradfabrik. Allerdings macht ihr die asiatische, billigere Konkurrenz zu schaffen. Wie schlecht es um die Fabrik steht, war Maschmeyer bei seinem Einstieg nicht bekannt, weil das Unternehmen bei seinen Bilanzen getrickst hatte. Inzwischen ist der Schwindel bereinigt, Investoren aus Indien allerdings, die einsteigen und die Fabrik mit ihrem Geld wieder flott machen wollten, haben bis heute keinen Euro gezahlt.

Die Inder sind selbst vom Fach: Hero Cycles gehört zu den Weltmarktführern in der Fahrradbranche. Sie verhandeln seit 16 Monaten mit den Deutschen. Nachdem der Bilanzschwindel aufgeflogen war, waren sie nur noch bereit, 25 Millionen Euro für 90 Prozent des Unternehmens zu zahlen. Eine Einigung mit Anleihegläubigern, die Voraussetzung für den Verkauf war, konnte die Mifa Anfang des Monats bekanntgeben. Deswegen gingen alle Beteiligten davon aus, dass der Verkauf glatt über die Bühne gehen würde.

Doch das Geschäft kam nach Handelsblatt-Informationen bisher nicht zustande. Im Gegenteil: Die indischen Verhandlungspartner hätten sich genau umgeschaut, heißt es aus Kreisen des Mifa-Vorstands. Sie hätten sich Fertigungsprozesse und Know-how abgeschaut und bei dem Bau einer neuen Fabrik in Indien angewandt. Die Rede ist von Wirtschaftsspionage im großen Stil. Kopieren statt kaufen, so lautet der Vorwurf, zu dem Hero bisher nicht Stellung nahm.

Bei der Mifa übernimmt am Mittwoch ein neuer Vorstandsvorsitzender das Ruder: Der Handels- und Industrieexperte Thomas Mayer (56) erbt den Chefposten von Hans-Peter Barth, der kürzlich mit sofortiger Wirkung abberufen wurde. Mayer sei künftig unter anderem für die finanziellen und rechtlichen Belange des Fahrradbauers verantwortlich. Im vergangenen Jahr machte Mifa einen Verlust von 13,2 Millionen Euro. Auch für das laufende Jahr wird mit einem negativen Ergebnis gerechnet.

Es sieht deswegen alles danach aus, als sei der Gang zum Insolvenzrichter heute unvermeidlich. Der Termin beim Amtsgericht ist bereits eingetragen. Der Millionen-Verlust, den Maschmeyer macht, dürfte die Kosten der Traumhochzeit deutlich übersteigen. Als Trost bleibt vielleicht, dass einem die schönen, und vergleichsweise günstigen Dinge oft länger und klarer in der Erinnerung bleiben, als die unschönen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Man wird wohl davon ausgehen dürfen, dass einer der weltgrößten und zudem noch erfolgreichen Fahrradhersteller es nicht nötig hat, bei einem leider an den Rand des Bankrotts, wenn nicht sogar mitten in einen solchen hinein, gewirtschafteten Fahrradhersteller Industriespionage zu betreiben. Erst recht nicht auf dem Wege, dass man sich Einblicke durch die vorgetäuschte Absicht einer aufwendig inszenierten Firmenübernahme verschafft. Eine umgekehrte, gegen die MIFA gerichtete Unterstellung wäre glaubwürdiger. Doch ist man dort, zumindest in dieser Beziehung, allem Anschein nach leider zu ehrlich gewesen.

  • ein asien weit verbreiteter witz.

    was macht man nachdem man einem inder die hand geschuettelt hat ?

    antwort:
    man zaehlt nach ob man noch alle 5 finger hat.

  • Wie erbärmlich - solch eine Unterstellung, zeigt wessen Geistes Kind Sie sind!

    Meine Firmen haben das halbe Erzgebirge mit Fördermitteln der Sächsischen Aufbaubank finanziert. Die meisten Bank-, Bauspar- Versicherungs- und Finanzberater kennen so was nur vom Hören-Sagen!

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