Milliarden-Übernahme
Nestle vernascht chinesische Hsu Fu Chi

Der Nahrungsmittelhersteller will für 60 Prozent der Unternehmensanteile umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro zahlen. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der chinesischen Behörden.
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ZürichDer weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle will künftig in China stärker Flagge zeigen. Mit dem Kauf eines 60-prozentigen Anteils an der chinesischen Hsu Fu Chi International verleibt sich der Schweizer Weltkonzern einen der führenden Süßwaren- und Gebäckhersteller des Landes ein, wie Nestle am Montag mitteilte. Knapp 1,7 Milliarden US-Dollar will sich Nestle die Kontrolle über die chinesische Firma kosten lassen, die im vergangenen Jahr mit Erdnuss-Snacks und Gummibärchen einen Umsatz von rund 669 Millionen Franken (knapp 800 Millionen Dollar) erzielte.

Hsu Fu Chi mit Sitz in Dongguan in der südchinesischen Provinz Guangdong beschäftigt rund 16.000 Angestellte. Die Familie Hsu hält 56,5 Prozent an der Firma. Knapp 44 Prozent liegen bei Drittaktionären wie etwa der Beteiligungsgesellschaft Baring Private Equity, denen Nestle ein Angebot unterbreitet und auch schon teilweise Zusagen erhalten hat. Die Familie Hsu will Nestle im letzten Schritt 16 Prozent verkaufen und wird sich mit einem Anteil von rund 40 Prozent begnügen. Wenn das Unternehmen aus Vevey seine 60 Prozent beisammen hat, soll die Firma von der Kursliste der Börse Singapur gestrichen werden.

Laut Analysten der Zürcher Kantonalbank zahlt der Hersteller von Kitkat-Schokolade und Maggi-Tütensuppen einen stolzen Preis. Allerdings relativere sich dieser durch die große strategische Bedeutung. An der Börse in Zürich fiel die Nestle-Aktie um 0,4 Prozent zurück, während der Index der europäischen Nahrungsmittelwerte rund 0,2 Prozent einbüßte. Die Aktie von Hsu Fu Chi, die seit Mitte Mai mehrere Kurssprünge gemacht hatte, notierte am Montag leicht über dem von Nestle gebotenen Preis von 4,35 Singapur-Dollar.

Für die chinesischen Kunden soll sich durch die Transaktion nicht viel ändern: Laut Nestle sind die Produkte von Hsu Fu Chi auf den Geschmack und die Gewohnheiten der chinesischen Konsumenten zugeschnitten. Diese würden die bestehende Produktpalette von Nestle in China - bestehend aus kulinarischen Produkten, löslichem Kaffee, Flaschenwasser, Milchpulver und Produkten für das Gastgewerbe - perfekt ergänzen.

Große Änderungen am Geschäft seien daher nicht geplant. Das Portfolio des Westschweizer Lebensmittelmultis variiert stark von Region zu Region. Auch ein Arbeitsplatzabbau steht nicht an. Nestle kennt den chinesischen Markt seit mehr als 20 Jahren und betreibt in China 23 Fabriken und zwei Forschungs- und Entwicklungszentren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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