Milliardenbeträge in Stromwirtschaft
Russland will Energiekollaps abwenden

Mit Milliarden-Investitionen will Russlands größter Stromkonzern UES das Land vor einem Energie-Kollaps bewahren. UES-Chef Anatolij Tschubajs will bis 2010 insgesamt 62 Mrd. Euro in seine 400 Kraftwerke und sein insgesamt 2,5 Mill. Kilometer langes Leitungsnetz stecken.

mbr / mjh BERLIN/DÜSSELDORF. Um vor allem westliche Investoren zu gewinnen, wird UES in die Bereiche Stromerzeugung, Vertrieb und Leitungsnetz aufgeteilt. Dies wurde möglich, nachdem das russische Parlament in diesem Frühjahr die Stromreform auf Drängen von Kremlherr Wladimir Putin durchgewunken hatte. In einem ersten Schritt sollen nun 20 Strom produzierende Einheiten aus UES herausgelöst und von November an die Börse gebracht werden. Tschubajs stellt seine Privatisierungspläne von heute an auf einer Road Show westlichen Investoren in London, New York und Stockholm vor.

Der russische Kraftwerkspark und das weltweit längste Leitungsnetz gelten als völlig marode. Die Energiewirtschaft kann die jährlich um sechs Prozent wachsende Stromnachfrage kaum noch decken und wird immer mehr zur Wachstumsbremse. Deshalb will Tschubajs das Leitungsnetz modernisieren und die aktuellen Stromerzeugungskapazitäten von 150 000 Megawatt um 15 Prozent steigern. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass in den nächsten 25 Jahren Investitionen von insgesamt 315 Mrd. Euro nötig sind, um die Stromversorgung auf westlichen Standard zu bringen.

Während die erforderlichen Investitionen ins russische Stromnetz aus Netzentgelten, Krediten und Staatszuschüssen kommen sollen, will Tschubajs die russischen Stromerzeuger westlichen Investoren schmackhaft machen. Beim geplanten Börsengang der 20 Stromerzeuger im November will UES insgesamt 7,6 Mrd. Euro einnehmen. Bisher jedoch hielten sich westliche Konzerne mit größeren Engagements in Russland zurück. Zudem ist Tschubajs bei der EU mit seinem Plan gescheitert, das russische mit dem europäischen Stromnetz zusammenzuschalten. Erst dann aber wären Stromexporte aus Russland möglich.

Kritik an Tschubajs Reformplänen kommt auch von oberster Stelle. Staatschef Putin bezeichnete sie kürzlich als „sehr widersprüchlich“. Vor allem stößt sich der Kreml-Chef daran, dass UES neben privaten Investitionen allein im kommenden Jahr 41,5 Mrd. Rubel aus dem Staatsbudget haben will. Tschubajs betont jedoch, wegen der im kommenden Winter drohenden Stromausfälle schnell handeln zu müssen. „Wenn wir nicht investieren, gehen bei uns die Lichter aus“, orakelt er.

Die drohende Stromknappheit in Russland und fehlende Investitionsmöglichkeiten in der EU könnten westliche Energieversorger nun aber zu einem verstärkten Engagement in Russland bewegen, heißt es in Branchenkreisen. Es ist das erklärte Ziel führender europäischer Konzerne wie Eon und RWE aus Deutschland, Enel aus Italien und EdF aus Frankreich stärker über die Grenzen ihrer Heimatmärkte hinaus zu wachsen. „Deshalb wäre eine Expansion nach Russland eine nahe liegende Alternative“, sagt Berthold Hannes, Energieexperte von der Unternehmensberatung Bain & Company in Düsseldorf.

Hoffnungen auf neue Großaufträge machen sich auch die Kraftwerksbauer. Für Siemens ist UES der Hauptkunde in Russland für Dampfkraft- und Wasserkraftwerke. Auch in Zukunft hoffen die Münchener auf gute Geschäfte.

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